Nicht immer kann eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit Inhalativa ausreichend kontrolliert werden. Einen neuen Ansatz in dieser Situation könnte der IL-33-Hemmer Tozorakimab darstellen. / © Shutterstock/sanjagrujic
COPD ist weltweit die dritthäufigste Todesursache, direkt hinter ischämischer Herzkrankheit und Schlaganfall. Typische Symptome der Erkrankung sind schwere Atemnot, chronischer Husten und Krankheitsschübe (Exazerbationen). Letztere treten bei vielen Betroffenen auch trotz einer Dreifachtherapie mit langwirksamen Bronchodilatatoren plus inhalativem Corticosteroid (LAMA/LABA/ICS) auf.
Um Exazerbationen bei Patienten mit erhöhten Eosinophilen-Zahlen zu reduzieren, können das IL-4/IL-13-blockierende Dupilumab (Dupixent®) sowie das gegen IL-5 gerichtete Mepolizumab (Nucala®) zusätzlich eingesetzt werden. Eosinophile sind weiße Blutkörperchen, die Entzündungen in der Lunge begünstigen können. Die therapeutische Lücke besteht aktuell darin, dass bei Patienten mit unkontrollierter COPD nicht selten die für den Einsatz der monoklonalen Antikörper erforderlichen Eosinophilen-Schwellenwerte nicht erreicht werden und deshalb keine ergänzende Therapieoption zur Verfügung steht.
Abhilfe könnte Tozorakimab schaffen. Der monoklonale Antikörper ist gegen Interleukin-(IL-)33 gerichtet. Dieses Zytokin ist ein sogenanntes Alarmin, ein molekulares Gefahrensignal, das von Epithelzellen freigesetzt wird, wenn diese auf Allergene, Mikroben und andere Umweltbelastungen treffen. Wenn IL-33 an seinen Rezeptor ST2 (Serum-stimulated 2) bindet, warnt es das Immunsystem vor drohenden Gefahren und koordiniert Abwehrmechanismen des Wirts sowie Wundheilungsprozesse, um Schäden zu begrenzen. Dieselben Signalwege lösen jedoch auch entzündliche und fibrotische Effekte aus, die mit Erkrankungen verschiedener Organe, darunter auch der Lunge, in Verbindung gebracht werden.
Die Wirkung von Tozorakimab bei COPD dürfte auf einen dualen Mechanismus zurückzuführen sein. IL-33 kann in reduzierter (IL-33red) oder oxidierter Form (IL-33ox) vorliegen. Die reduzierte Form fördert Entzündungen über ST2, wohingegen die oxidierte Form ihre Wirkung über einen ST2-unabhängigen Mechanismus entfaltet, der die pathologische epitheliale Transformation und die Schleimproduktion antreibt. Tozorakimab weist eine sehr hohe Affinität für reduziertes IL-33 auf, bindet an ein spezifisches Epitop und hemmt so die Interaktion des Zytokins mit ST2. Gleichzeitig wird die Oxidation von IL-33 verhindert, wodurch sowohl die ST2-abhängige als auch die ST2-unabhängige Signalübertragung über RAGE/EGFR gehemmt wird.