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NARZ
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Reform bringt Chancen, aber keine Entwarnung

Die Apothekenreform ist durch, aber das bedeutet nicht, dass die Herausforderungen für Apotheken verschwunden sind. Dies machte Jörn Graue, Vorstandsvorsitzender des Norddeutschen Apothekenrechenzentrums (NARZ), jetzt in einer aktuellen Bestandsaufnahme deutlich.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 21.10.2026  13:30 Uhr

Problemfall E-Rezept

Auch immer wieder auftretende Ausfälle beim E-Rezept treiben die Apotheken um. Der Apotheker sei in solchen Fällen »zugleich Pharmazeut, Systemadministrator, Seelsorger und Erklärbär«, meint Graue.  Ein versorgungskritisches System brauche Belastbarkeit, klare Ersatzverfahren und Verantwortliche, die im  Störungsfall erreichbar sind.

Das NARZ als Rechenzentrum müsse technische Zuverlässigkeit, Datenschutz und Abrechnungssicherheit gleichzeitig gewährleisten. Der Grundsatz der Datenminimierung sei keine Fußnote, Gesundheitsdaten gehörten zu den sensibelsten Informationen überhaupt. Grenzen würden angesichts von zunehmender Verknüpfung immer wichtiger. Graue verweist zudem darauf, wie wichtig Cybersicherheit sei. Das gelte auch für Künstliche Intelligenz. Die Verantwortung müsse beim Menschen bleiben.

Finanzierung von Hochpreisern

Als einen »bleiernen Schatten« bezeichnet Graue das bekannte Hochpreiserproblem. Apotheken müssen für die teuren Präparate in Vorleistung gehen und tragen bis zur Erstattung das volle wirtschaftliche Risiko. »Aus Versorgung wird damit unversehens Kreditgeschäft«, warnt Graue. Besonders schwierig werde es, wenn Hersteller kurze Zahlungsziele verlangten oder den Großhandel umgingen. Die Finanzierung der Hochpreiser müsse gesondert abgesichert werden, zumal auch Retaxationen in diesem Fall existenzgefährdend sein könnten.

Auch die Debatten über schnellere Abrechnungen skizziert der NARZ-Vorsitzende. Diese ersetzten keine geordnete Rechnungsprüfung. »Daten in Echtzeit sind noch keine Zahlung in Echtzeit.« Graue hebt die Vorteile der monatlichen Sammelrechnung hervor. Apotheken bräuchten zugleich frühe und angemessene Abschläge. Ein früherer Abschlag sei möglich, wenn die Lieferverträge das zuließen. »Als gutes Beispiel hierfür kann der Hamburger Liefervertrag mit der AOK Rheinland-Hamburg dienen.«

Bündelung der Abrechnung

Um sich gegen unangemessene Retaxationen zu wehren, brauche es klare Heilungsmöglichkeiten, transparente Prüfregeln und praxistaugliche Fristen, so Graue weiter. Besonders unerfreulich seien die Retaxationen der Krankenkassen nach Kündigung der Hilfstaxe gewesen. Erst ein Gericht habe dem Grenzen gesetzt. Auch die Frage, ob Krankenkassen bei verspäteter Zahlung den gesamten Sammelrechnungsabschlag verlieren, werde nun gerichtlich geklärt. Einige Kassen hätten bereits mit Rückzahlungen begonnen.

Graue informiert in seiner Rede zudem über Umstrukturierungen bei der Abrechnung. Der Verwaltungsrat habe im Sommer den Weg für die Zusammenführung der Abrechnungstätigkeiten freigemacht: Sie sollen schrittweise vom NARZ auf die AVN übergehen und bis spätestens Ende Juni 2027 gebündelt werden. Die Steuerung liege weiterhin in den Gremien des NARZ; Mitgliedschaft, Ansprechpartner, Abläufe, Fristen und Bedingungen der Abrechnung blieben erhalten. »Der apothekereigene Charakter wird nicht preisgegeben«, versicherte Graue. Zugleich werde weiter investiert.

Graue schließt seine Rede mit einem Appell: »Die Apothekerschaft ist politisch nicht machtlos«, betont er. Sie müsse aber mit einer Stimme sprechen, rechtzeitig und verständlich. Auch das NARZ müsse seine Stimme einbringen, wenn etwa Abrechnungswege neu gestaltet würden.

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