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Darm-Hirn-Achse
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Probiotika zeigen Potenzial bei kognitiven Störungen

Die Zusammensetzung der Darmmikrobiota könnte bei der Alzheimer-Krankheit eine größere Rolle spielen als bislang angenommen. Eine placebokontrollierte Studie aus Südkorea liefert jetzt Hinweise darauf, dass die Einnahme bestimmter probiotischer Bakterien nicht nur Alzheimer-assoziierte Biomarker beeinflussen, sondern auch einzelne kognitive Fähigkeiten bei Menschen mit beginnenden Gedächtnisstörungen verbessern könnte.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 20.10.2026  16:20 Uhr
Probiotika zeigen Potenzial bei kognitiven Störungen

Ein Forscherteam um Dr. Eun Hyun Seo von der Chosun University in Gwangju, Südkorea, veröffentlichte im »Journal of Alzheimer’s Disease« Ergebnisse einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie, in der sie untersuchten, ob ein Präparat mit drei probiotischen Bakterienstämmen die kognitive Leistungsfähigkeit älterer Menschen mit frühen kognitiven Beeinträchtigungen beeinflusst. Von ursprünglich 100 Studienteilnehmern waren am Ende der Studie die Daten von 87 Teilnehmern auswertbar.

Die Studienteilnehmer waren mindestens 60 Jahre alt und wiesen entweder subjektiv wahrgenommene kognitive Einschränkungen oder eine leichte kognitive Beeinträchtigung (Mild Cognitive Impairment, MCI) auf. Das Durchschnittsalter lag bei knapp 74 Jahren.

40 Probanden erhielten täglich ein Präparat mit drei probiotischen Bakterienstämmen: Bifidobacterium animalis subsp. lactis KL101, Limosilactobacillus fermentum KL271 und Levilactobacillus brevis KL251. Die übrigen 47 Teilnehmer erhielten ein Placebo mit Maltodextrin. Die Behandlungsdauer betrug 24 Wochen.

Die Forschenden bestimmten vor und nach der Intervention verschiedene Blutbiomarker, darunter phosphoryliertes Tau an Position 181 (pTau181), das gliale fibrilläre saure Protein (GFAP) und die Neurofilament-Leichtkette (NfL). Während pTau181 mit Alzheimer-typischen Tau-Veränderungen assoziiert ist, gilt GFAP als Marker astroglialer Aktivierung und NfL als Indikator neuroaxonaler Schädigung. Ergänzend wurden zahlreiche neuropsychologische Tests durchgeführt.

Deutlicher Rückgang des phosphorylierten Tau-Proteins pTau181

Das auffälligste Ergebnis betraf pTau181. In der Probiotikagruppe sank die mittlere Plasmakonzentration von 24,5 auf 21,0 pg/ml. In der Placebogruppe stieg sie dagegen geringfügig von 22,2 auf 23,2 pg/ml. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch hochsignifikant (p < 0,001). Auch bei den beiden anderen Biomarkern zeigten sich Unterschiede. Während die GFAP- und NfL-Konzentrationen unter Probiotika weitgehend stabil blieben, stiegen sie in der Placebogruppe signifikant um 14 beziehungsweise 15 Prozent an.

Neben den Biomarkern untersuchten die Forschenden, ob sich die probiotische Intervention auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkte. Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild. Im Clinical Dementia Rating, einem Instrument zur Beurteilung kognitiver und alltagspraktischer Einschränkungen, verbesserte sich die Probiotikagruppe signifikant. Der Effekt war vor allem auf den Bereich Gedächtnis zurückzuführen.

Besonders interessant waren die Ergebnisse bei Aufgaben, die visuell-räumliche Fähigkeiten erfassen. In einem Test (Rey-Osterrieth-Complex-Figure-Test), bei dem die Teilnehmer eine komplexe geometrische Figur möglichst genau abzeichnen müssen, verbesserten sich die Leistungen in der Probiotikagruppe signifikant.

Beim verzögerten Erinnern zuvor gezeichneter Figuren blieben die Leistungen in der Probiotikagruppe weitgehend stabil, während sie unter Placebo signifikant abnahmen. Allerdings war der direkte Unterschied zwischen den Gruppen bei diesem Test nicht statistisch signifikant.

Zudem waren die Verbesserungen keineswegs auf sämtliche kognitiven Bereiche übertragbar. Beim Mini-Mental-Status-Test (MMSE), bei verbalen Gedächtnisleistungen und bei Tests exekutiver Funktionen ergaben sich keine signifikanten Vorteile gegenüber Placebo.

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