»Haben Sie auch etwas Pflanzliches?« Viele Frauen in der Perimenopause stehen pflanzlichen Arzneimitteln im Vergleich zur Hormonsubstitution positiv gegenüber. Welche Extrakte sind empfehlenswert? / © Adobe Stock/ PSCL RDL
»Mit Mönchspfeffer, Traubensilberkerze und Rhapontikrhabarber stehen sehr gut untersuchte Arzneipflanzen zur Verfügung, die die Therapie von Frauenleiden wie das Prämenstruelle Syndrom (PMS) und Wechseljahresbeschwerden bereichern«, sagt Fürst im Gespräch mit der PZ.
Das gilt zum Beispiel für Trockenextrakte aus den Früchten des Mönchspfeffers Vitex agnus-castus, die bei PMS und Zyklusunregelmäßigkeiten eingesetzt werden. »Der aus der Schweiz stammende Trockenextrakt mit einer Tagesdosierung von 20 mg zeigt sich in Studien besonders effektiv. Aufgrund der guten Studienlage haben die Autoren der HMPC-Monographien der europäischen Arzneimittelagentur EMA diesem Extrakt den Status well-established use verliehen. 4-mg-Präparate sind nach HMPC-Monografie dagegen nur als ›traditional use‹ eingestuft«, so der Phytopharmaka-Experte.
Mit Kadezyklus® und Agnucaston® 20 mg gibt es derzeit in Deutschland nur zwei Mönchspfeffer-Präparate mit einer Extrakt-Tagesmenge von 20 Milligramm. Damit sind sie fünffach höher konzentriert als andere hierzulande erhältliche Phytopharmaka und entsprechen damit quasi genau der Well-established-use-Monographie. Agnolyt®, Femicur®, Agnus sanol® enthalten zwar ähnliche Trockenextrakte (zum Beispiel mit einem DEV von 6-12:1, Ethanol 60 Prozent, oder DEV 7-11:1, Ethanol 70 Prozent), allerdings weiterhin eine niedrigere Extrakt-Tagesmenge von 4 Milligramm.
Die klinische Wirksamkeit gilt als gut belegt. Die tägliche Einnahme von 20 Milligramm des Vitex-agnus-castus-Trockenextrakts über drei Monate führt zur signifikanten Besserung typischer PMS-Symptome wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen und Brustspannen – und das bei sehr guter Verträglichkeit. So berichteten in einer randomisierten, doppelverblindeten, placebokontrollierten klinischen Studie mit 170 PMS-Patientinnen 52 Prozent der Frauen unter Verum über eine mindestens 50-prozentige Symptomreduktion, gegenüber 24 Prozent unter Placebo.
Auch molekulare Wirkmechanismen sind mittlerweile bekannt. Untersuchungen zeigten, dass die hypophysäre Prolaktinausschüttung über einen dopaminergen Effekt gesenkt wird. Erhöhte Prolaktinspiegel sind mitverantwortlich für die zyklusabhängigen Beschwerden im Rahmen des PMS, da Prolaktin die Sekretion von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) hemmt. Unter den Inhaltsstoffen sind es vermutlich Diterpene, die für die prolaktinsenkende Wirkung des Extrakts verantwortlich sind. Sie zeigen eine Affinität zum Dopaminrezeptor D2. Deshalb ist bei Patientinnen mit Hyperprolaktinämie – nach entsprechender Abklärung eines Prolaktinoms – Mönchspfeffer ebenfalls eine Option.