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Arzneimittelbewertung 
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Pflanzenextrakte gegen typische Frauenleiden

Sowohl gegen prämenstruelle als auch Wechseljahresbeschwerden hat die Pflanzenheilkunde einiges zu bieten. Bei der Beratung in der Offizin kommt es darauf an, gut geprüfte Extrakte zu empfehlen. Welche das sind, erklärt Professor Dr. Robert Fürst vom Departement Pharmazie der Universität München.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 24.05.2026  07:00 Uhr

Rhabarber als Alternative

Zu den klassischen Phytoestrogenen wird dagegen der Rhapontikrhabarber gezählt. Der Spezialextrakt ERr371 (femi-loges®) ist klinisch gut untersucht, auch wenn es dazu noch keine HPMC-Monographie gibt. Laut einer in 2024 veröffentlichten Metaanalyse ist der Rhabarber-Spezialextrakt besser wirksam als Placebo, was die Reduktion von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Angstzuständen, Reizbarkeit und depressiven Verstimmungen betrifft. In die Zusammenschau flossen die Ergebnisse von vier zwölfwöchigen Studien mit insgesamt 390 Patientinnen im Alter von durchschnittlich 50 Jahren ein.

Rheum rhaponticum gehört zu den Polygonaceae, den Knöterichgewächsen. Von der bis zu zwei Meter hohen, kräftigen Staude erntet man den Wurzelstock. Seine Hauptwirkstoffe sind Hydroxystilbene, vor allem das Rhaponticin, das fast 90 Prozent des medizinisch verwendeten Wurzelspezialextrakts ausmacht. Rhaponticin und seine Metaboliten stellen gute Estrogenrezeptor-Liganden mit Präferenz für den Estrogenrezeptor ERβ dar.

Isoflavone überzeugen nicht

Wie schätzt der Professor für Pharmazeutische Biologie die Datenlage zu Isoflavonen aus Soja oder Rotklee ein? »Die Studienlage ist völlig uneins, weil man sich nicht auf einen bestimmten Extrakt oder bestimmte Extrakttypen einigen kann. Ohne aussagekräftige Studien bleiben Dosierung und Risiken, zum Beispiel das für Brustkrebs, unklar.« Deshalb sind sämtliche Isoflavon-haltigen Zubereitungen als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel im Handel. Diese dürfen von Rechts wegen nicht mit therapeutischen Effekten werben.

Zwar kam die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bestehen. Allerdings schlossen die Studien nur postmenopausale Frauen und kurze Anwendungszeiträume ein. Über die Sicherheit bei perimenopausalen Frauen war daher keine Aussage möglich. Die Verbraucherzentrale kritisiert zudem, dass in zahlreichen Produkten die von der EFSA empfohlenen Verzehrmengen von 100 mg für Soja-Isoflavone und 43,5 mg für Rotklee-Isoflavone überschritten würden.

Die derzeitige Studienlage gebe keine sicheren Anhaltspunkte dafür, dass Isoflavone klimakterische Beschwerden bessern können, weiß Fürst. Ebenso wenig könnten sie eine Hormontherapie ersetzen. Bei entsprechendem Kundinnenwunsch («Ich hätte gerne etwas Pflanzliches gegen meine Hitzewallungen.«) seien oben genannte studiengeprüfte Extrakte zu empfehlen. Die biologische Wirkung von isolierten, hoch dosierten oder angereicherten Isoflavonen sei ohnehin nicht unmittelbar mit der biologischen Wirkung von Isoflavonen aus komplexen Lebensmitteln, wie sie in Asien verzehrt werden, zu vergleichen.

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