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Astra-Zeneca-Impfstopp

PEI sieht keine Hinweise auf Kausalzusammenhang

»Mehr Zufall als Ursache«

Ähnlich äußerten sich auch Experten gegenüber dem Science Media Center Germany. So sagte Professor Dr. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing: »Insgesamt kann man mit derzeitigem Kenntnisstand davon ausgehen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und den wenigen thromboembolischen Ereignissen gibt – statt von einer Kausalität ist eher von einer Koinzidenz auszugehen, also mehr Zufall als Ursache.«

Das zeige sich auch rechnerisch: Insgesamt 30 Fälle von thromboembolischen Ereignissen bei mehr als fünf Millionen mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff geimpften Personen entspricht einem Risiko von circa 1:170.000. In der Allgemeinbevölkerung kommen venöse Thrombosen unabhängig von Covid-19 mit einer jährlichen Inzidenz von etwa 1 pro 1000 Erwachsenen vor, also um mehr als den Faktor 100 häufiger. »In Deutschland gibt es jährlich 100.000 Todesfälle aufgrund von thromboembolischen Ereignissen, diese stellen derzeit die dritthäufigste Todesursache dar«, betonte Wendtner. Auch das Risiko, an einer Covid-19-assoziierten Thrombose Schaden zu nehmen, wenn man sich mit SARS-CoV-2 infiziere, sei sehr hoch.

Trotzdem sei aus seiner Sicht jetzt schon ein Schaden entstanden – nicht durch den Impfstoff, sondern durch das Aussetzen der Impfkampagnen in einzelnen Ländern. Der Blick auf Großbritannien zeige, wie sicher und effektiv der Impfstoff sei. »Bei mehr als 22 Millionen Geimpften, die größtenteils mit AZD1222 vakziniert wurden, sind auf der Basis eines sehr guten Berichtwesens bisher keine relevanten Sicherheitsbedenken geäußert worden«, so Wendtner. »Vielmehr wirkt der Impfstoff, sodass Großbritannien dank dieses Impfstoffs inzwischen weniger Neuinfektionen und hospitalisierte Patienten registriert und hoffentlich bald aus der pandemischen Welle herausfinden wird.«

Die betroffene Charge ABV5300 des Impfstoffs, die zum Aussetzen der Impfungen in Österreich geführt hatte, wurde in Deutschland nicht eingesetzt. Überhaupt seien Probleme mit einzelnen Chargen von Impfstoffen sehr selten, erklärte Professor Dr. Stephen Evans, Professor für Pharmakoepidemiologie an der London School of Hygiene & Tropical Medicine. Solche Probleme beruhten meist auf Verunreinigungen mit Bakterien oder Glaspartikeln, die vom Hersteller erkannt würden.

Wichtig sei, dass die Berichte intensiv geprüft würden, betonte Professor Dr. Leif-Erik Sanders von der Berliner Charité: »Es ist wichtig und richtig, dass allen Ereignissen sehr sorgfältig nachgegangen wird. Das geschieht ja auch durch die zuständigen Behörden.« Aktuell sehe er keinen Grund zur Sorge.

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