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Depressionstherapie

Patienten sorgsam begleiten

Wenn ein Patient zum ersten Mal ein Antidepressivum verordnet bekommt, sollte der Apotheker als Erstes fragen: »Was hat Ihnen der Arzt gesagt, wofür Sie dieses Medikament einnehmen sollen?« Diese Frage hilft abzuklären, für welche Indikation das Arzneimittel eingesetzt werden soll. So werden Antidepressiva auch zur Schmerztherapie (zum Beispiel Amitriptylin oder Duloxetin) oder bei Angst- und Panikstörungen (zum Beispiel Paroxetin, Sertralin, Venlafaxin) verordnet.

Es ist ratsam, die Terminologie des Arztes aufzugreifen. So sprechen Apotheker und Arzt dieselbe Sprache und stärken das Therapieverständnis des Patienten. Wissensdefizite führen zu Unsicherheit und verschlechtern die Adhärenz. Durch die Aufklärung, dass diese Krankheit viele Menschen weltweit betrifft und gut therapierbar ist, kann eine offene Beratungsatmosphäre aufgebaut werden.

Bei erstmaliger Abgabe eines Medikaments sollte der Apotheker den Patienten über das Krankheitsbild und Therapiekonzept informieren (Kasten). Weiterhin sind Einnahmezeitpunkt und Dosierung abzufragen und zu prüfen. Sedierende Substanzen wie Mirtazapin sollten abends, antriebssteigernde Wirkstoffe wie SSRI morgens eingenommen werden. Üblicherweise wird bis zur Standarddosis aufdosiert. Nach vier Wochen regelmäßiger Einnahme werden Wirksamkeit und Verträglichkeit überprüft.

Bessert sich die Symptomatik bei ausreichend dosierter Therapie nicht, ist ein Medikationswechsel angezeigt, vorzugsweise auf ein Antidepressivum mit einem anderen Wirkmechanismus. In diesem Fall ist es sehr wichtig, dem Patienten die Vorgehensweise des Arztes zu erklären. Es ist nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht möglich, vorab zu erkennen, welches das beste Medikament für den individuellen Patienten ist. Die Wahrscheinlichkeit, auf das erste Antidepressivum direkt anzusprechen, liegen etwa bei 50 bis 60 Prozent.

Der Patient sollte wissen, dass er das Antidepressivum auch nach Besserung der Akutsymptomatik in unveränderter Dosierung weitere vier bis neun Monate kontinuierlich einnehmen muss. Erst danach wird das Ausschleichen der Medikation bei Remission begonnen. Die ausreichend lange Therapie ist das A und O der Rezidivprophylaxe.

Oftmals akzeptieren die Patienten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme unter trizyklischen Antidepressiva oder sexuelle Funktionsstörungen unter SSRI nach der ersten psychischen Besserung nicht mehr. Sie reduzieren die Tagesdosen oder brechen die gesamte Therapie ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ab. Mit der Non-Adhärenz steigt das Risiko für ein Rezidiv.

Bei wiederkehrenden depressiven Episoden ist sogar eine Langzeitprophylaxe über mehrere Jahre notwendig. Bei wiederholter Abgabe von Antidepressiva sollten Apotheker den Patienten zur Verträglichkeit und zu seinem Beschwerdezustand befragen. Wichtig ist, Patienten zur Fortführung der Therapie so lange wie medizinisch notwendig zu motivieren.

Patienten, die weitere Medikamente einnehmen, sollten auf mögliche Wechselwirkungen achten. Möglich sind diverse pharmakodynamische Interaktionen mit Antidepressiva. So können SSRI und andere serotonerge Arzneimittel wie MAO-Hemmer, Tramadol oder Dextrometorphan das Auftreten eines Serotonin-Syndroms begünstigen. Dieses äußert sich infolge einer verstärkten Serotonin-Wirkung in Symptomen wie Durchfall, Fieber und Bewusstseinseintrübungen. Schwere Verläufe können sogar tödlich ausgehen.

Werden SSRI oder SSNRI mit NSAR oder Antikoagulanzien kombiniert, sind die erhöhte Blutungsneigung und gastrointestinale Beschwerden zu beachten. Bei der gemeinsamen Einnahme von Arzneimitteln, die die QT-Zeit verlängern, besteht das Risiko für kardiotoxische Nebenwirkungen. Sedierende Antidepressiva erhöhen zusammen mit Antihypertonika und zentral wirkenden Arzneimitteln das Sturzrisiko.

Pharmakokinetische Wechselwirkungen sind unter dem CYP-Induktor Johanniskraut und den CPY-Inhibitoren Fluoxetin, Paroxetin, Duloxetin, Bupropion (CYP 2D6) und Fluvoxamin (CYP 1A2) zu beachten.

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