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Allergische Erkrankungen
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OTC-Switches machen Therapie leitliniengerechter

Regelmäßig anwenden, bei starker Belastung auch präventiv und wenn nötig die ganze Saison hindurch: In die Therapie von allergischen Beschwerden ist Bewegung gekommen. Immer mehr Präparate stehen für die Selbstanwendung zur Verfügung. Wie das pharmazeutische Personal helfen kann, damit die jüngsten OTC-Switches besser wirken.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 05.03.2026  18:00 Uhr

Präventiven Ansatz erklären

Die Erfahrung zeigt, dass viele Patienten ihre Antiallergika als Ad-hoc-Therapie verstehen und sie nur dann anwenden, wenn sie sich von ihren Beschwerden besonders belästigt fühlen. »Aus medizinischer Sicht ist dies jedoch nicht sinnvoll, vor allem bei vorhersehbarer Allergenexposition.« Professor Dr. Torsten Zuberbier spricht sich dafür aus, länger andauernde Symptomphasen durchgängig zu therapieren und rechtzeitig damit zu beginnen.

In der Apotheke bietet sich die Gelegenheit, den präventiven Ansatz zu vermitteln und Vorbeugung und Therapie nicht getrennt zu betrachten. »Die frühzeitige Empfehlung geeigneter, gut verträglicher Arzneimittel kann dazu beitragen, Beschwerden von Beginn an besser zu kontrollieren und den weiteren Therapieverlauf positiv zu beeinflussen.« Nur so nutze man das Wirkvermögen eines Antihistaminikums quasi voll aus. Sind mehrere Organsysteme betroffen, bleibt das systemische Antihistaminikum die Therapie der ersten Wahl.

»Ein Antihistaminikum wirkt als inverser Agonist wie eine Steckdosensicherung, verhindert das Andocken des Histamins an der Steckdose, also am Rezeptor. Daraus ergeben sich logische Folgerungen: Wie eine Steckdosensicherung wirkt es nur dann oder effektiver, wenn es vor oder direkt nach dem Auftreten der Beschwerden eingenommen wird. Sonst vermittelt Histamin schon seine Effekte und das entzündliche Geschehen schaukelt sich in die Höhe.«

Noch einen zweiten Faktor gibt der Allergologe zu bedenken: »Der Histaminrezeptor ist einer der wenigen Rezeptoren im Organismus, die durch Stimulation immer empfindlicher werden. Je mehr Histamin vorhanden ist, desto stärker reagiert er.« Dieser Sachverhalt erkläre auch, warum manche Betroffene zum Ende der eigentlichen Saison hin verstärkt Probleme bekommen. »Insofern ist die Aufklärung durch den Apotheker über die Bedeutung der kontinuierlichen Einnahme über die gesamte Pollenflugsaison hinweg so wichtig. Bei einem ganzjährigen Allergen sollte die Einnahme ganzjährig erfolgen und nicht nur dann, wenn die Beschwerden unerträglich werden. Als inverse Agonisten verschieben Antihistaminika die H1-Rezeptoren quasi in eine inaktive Formation und dimmen damit die Hyperaktivität herunter. Klassische Antagonisten würden die Rezeptoren nur blocken.«

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