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Palliativmedizin
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Off-Label-Use mit Evidenz

Ob Midazolam in die Nase oder Metamizol unter die Haut: Bei der Palliativversorgung ist der Off-Label-Use alltäglich. Um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden, ist eine Anwendung abseits der Zulassung oft die beste Option. Evidenzbasiert sollte sie aber sein. Eine Datenbank schafft den Überblick.
AutorKontaktStefanie Pügge
AutorKontaktAleksandra Dukic-Ott
Datum 10.09.2023  08:00 Uhr

Topische und transdermale Gabe

Auch die topische oder transdermale Applikation von Wirkstoffen kann eine Alternative sein. Dabei zielt die topische Applikation auf eine lokale, die transdermale hingegen auf eine systemische Wirkung ab.

Im Handel erhältliche transdermale therapeutische Systeme (TTS) von Fentanyl oder Buprenorphin spielen bei der Behandlung von Schmerzen eine wichtige Rolle im Bereich der Palliativversorgung. Bei Patienten mit unkontrollierbarem Speichelfluss können Scopolamin-Pflaster als antisekretorische Therapie Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um eine Anwendung off Label, da die Zulassung auf die Vorbeugung der Reisekrankheit sowie von Übelkeit und Erbrechen beschränkt ist.

Die topische Therapie wird vor allem für die lokale oder oberflächliche Behandlung von Symptomen angewendet. Als Beispiel: Zur Geruchs- und Keimreduktion bei malignen Wunden kann bei Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung ein Therapieversuch mit einer Metronidazol-haltigen Infusionslösung versucht werden. Dabei wird die Lösung einmal täglich auf die Wunde gesprüht, mit der Lösung getränkte Kompressen auf die Wunde aufgelegt oder Metronidazol-Gel auf die Wunde aufgetragen. Aufgrund des kanzerogenen Potenzials von Metronidazol ist unbedingt auf ausreichenden Personenschutz zu achten. Auch wenn die Evidenzlage eher dünn ist, kann die Anwendung bei starker Symptomlast eine Option darstellen [2].

Ein häufiges Symptom bei Palliativpatienten ist die Mukositis, die zum Beispiel im Rahmen einer Radio- und Chemotherapie oder starker Mundtrockenheit auftritt. Helfen andere Maßnahmen wie eine sorgfältige Mundpflege oder die Schleimhautbenetzung mit pflanzlichen Ölen nicht weiter, kann topisches Morphin, zum Beispiel als Gel, versucht werden [26, 27]. Dabei wird die periphere schmerzstillende Wirkung bei entzündlichen Haut- und Schleimhautläsionen genutzt [28]. Gerade zur topischen Anwendung sind Rezepturen wie diese aus Apotheken gefragt.

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