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Medizinprodukte-Abgabeverordnung

Obdachlosenhilfe soll Schnelltests beziehen können

In Kürze sollen Apotheken Antigentests auf das Coronavirus auch an Obdachlosenunterkünfte aushändigen dürfen. Das Bundesministerium für Gesundheit bereitet derzeit eine entsprechende Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung vor.
Stephanie Schersch
14.01.2021  17:00 Uhr

Immer mehr Einrichtungen dürfen Antigen-Schnelltests aus der Apotheke beziehen: Nach Pflegestellen, Schulen und Kitas sollen nun auch Unterkünfte für Wohnungslose sowie sogenannte Einrichtungen der Hilfe zur Überwindung besondere sozialer Schwierigkeiten zu den Berechtigten zählen. Das steht in der geplanten Novelle der Medizinprodukte-Abgabeverordnung (MPAV), die der PZ im Entwurf vorliegt. Mit dem Anstieg der Infektionszahlen wachse auch das Risiko, sich in einer Obdachlosenunterkunft mit dem Coronavirus anzustecken, heißt es darin. »Aufgrund der teils beengten Wohnsituation in diesen Einrichtungen besteht eine hohe Infektionsgefahr.«

Ein Fortschritt für die Betreuung von Wohnungslosen

In Zukunft sollen diese Einrichtungen nun problemlos Antigentests beziehen und einsetzen können. In einigen Unterkünften sind diese Tests bereits heute Voraussetzung für eine Übernachtung. Dabei sind die Stellen bislang aber auf die Zusammenarbeit mit Ärzten angewiesen, die nicht immer ausreichend unterstützen können. Die vorgesehene Lockerung ist damit ein Fortschritt für die Betreuung von Wohnungslosen in Pandemiezeiten. Mit einer parallel geplanten Änderung der Testverordnung sollen Personen in Obdachlosenunterkünften in Zukunft zudem Anspruch auf einen Test haben, wenn es beispielsweise einen Coronafall in der Einrichtung gab.

Dem Entwurf zufolge sind Obdachlose ähnlich schutzbedürftig wie Personen in Pflegeeinrichtungen, Schulen oder Kitas, für die bereits seit Wochen eine Ausnahme mit Blick auf den Bezug von Antigen-Schnelltests gilt. Zuvor hatte der Bundestag im November den strikten Arztvorbehalt für die Testkits gekippt. Die nun geplante Änderung wird einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten. Mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen und die Bedeutung der Schnelltests dürfte das bereits in Kürze der Fall sein.

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