Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Lysosomale Speicherkrankheiten
-
Neue Therapien bei Gendefekten

Bestimmte Gendefekte bei Neugeborenen waren früher gleichbedeutend mit schwerer Behinderung und frühem Tod des Kindes. Mittlerweile gibt es Therapiemöglichkeiten für einige Erbkrankheiten, bei denen nur ein Gen betroffen ist und die zu Stoffwechselfehlfunktionen im Lysosom führen – dank molekularbiologischer Diagnostik und gentechnisch erzeugter Arzneimittel.
AutorKontaktBettina Wick-Urban
Datum 28.03.2021  08:00 Uhr

Sphingolipidosen: vor allem das ZNS betroffen

Sphingolipidosen sind bis auf den X-chromosomal vererbten Morbus Fabry durch autosomal-rezessiv vererbte Gene ausgelöste LSK. Hier sind Enzyme des Sphingolipid-Metabolismus defekt. Sphingolipide sind wichtige Bestandteile der Zellmembran.

Im Gegensatz zu den Phosphoglyceriden leiten sich die Sphingolipide nicht vom Glycerin, sondern von dem ungesättigten Aminoalkohol Sphingosin ab. Es gibt drei Haupttypen: Ceramide, die daraus abgeleiteten Sphingomyeline und Glycosphingolipide (Cerebroside und Ganglioside). Sphingolipide findet man häufig in Nervengeweben, wo sie eine wichtige Rolle in der Signaltransduktion und der Interaktion einzelner Zellen spielen. Morbus Gaucher ist die häufigste Sphingolipidose mit einem betroffenen Kind bei 60.000 Geburten.

Gemeinsame Symptome der Erkrankungen sind motorische und geistige Retardierung, Vergrößerung von Leber und Niere sowie häufig ein kirschroter Makulafleck durch die Anhäufung von Metaboliten im Auge. Im Allgemeinen handelt es sich um schwere, unbehandelt in der Kindheit zum Tod führende Erkrankungen (1, 12, 13, 14, Tabelle 2).

Erkrankung, Prävalenz bei Geburt
(geschätzt)
Beginn der Erkrankung, (Lebensjahr) Defektes Enzym Therapie
Morbus Gaucher, 1:60.000, Typ 1: chronisch, nicht neurologisch (95 Prozent) Kindheit oder Adoleszenz β-Glucocerebrosidase EET: Imiglucerase (Cerezyme®, Typ 1 und 3): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv. Velaglucerase alfa (Vpriv®, Typ 1): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv.
SRT: Eliglustat (Cerdelga®, Typ 1): 84 mg einmal täglich oral für langsame und zweimal täglich für intermediäre und schnelle CYP2D6 Metabolisierer. Miglustat (Zavesca®, Typ 1): 100 mg dreimal täglich oral. Knochenmark- oder Stammzelltransplantation
Morbus Gaucher, 1:60.000, Typ 2: akut, neurologisch Kindheit β-Glucocerebrosidase EET: Imiglucerase (Cerezyme®, Typ 1 und 3): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv. Velaglucerase alfa (Vpriv®, Typ 1): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv.
SRT: Eliglustat (Cerdelga®, Typ 1): 84 mg einmal täglich oral für langsame und zweimal täglich für intermediäre und schnelle CYP2D6 Metabolisierer. Miglustat (Zavesca®, Typ 1): 100 mg dreimal täglich oral. Knochenmark- oder Stammzelltransplantation
Morbus Gaucher, 1:60.000, Typ 3: subakut, neurologisch 4 bis 8 β-Glucocerebrosidase EET: Imiglucerase (Cerezyme®, Typ 1 und 3): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv. Velaglucerase alfa (Vpriv®, Typ 1): 60 Einheiten/kg KG alle 14 Tage iv.
SRT: Eliglustat (Cerdelga®, Typ 1): 84 mg einmal täglich oral für langsame und zweimal täglich für intermediäre und schnelle CYP2D6 Metabolisierer. Miglustat (Zavesca®, Typ 1): 100 mg dreimal täglich oral. Knochenmark- oder Stammzelltransplantation
Morbus Fabry, 1:80.000 Kindheit oder Adoleszenz α-Galactosidase EET: Agalsidase alfa (Replagal®), Agalsidase beta (Fabrazyme®): 1 mg/kg KG alle 14 Tage iv. Pharmakologisches Chaperon: Migalastat (Galafold®, bei Patienten mit einer Mutation, die auf den Arzneistoff anspricht): 123 mg einmal jeden 2. Tag oral
Metachromatische Leukodystrophie, 0,5 und 1:50.000 (60 Prozent spät-infantile Form) 1 bis 2 Arylsulfatase A unterstützende Pflege. Knochenmark- oder Stammzelltransplantation bei Patienten mit leichten Formen
Metachromatische Leukodystrophie, 0,5 und 1:50.000 (juvenile Form) 4 bis 16 Arylsulfatase A unterstützende Pflege. Knochenmark- oder Stammzelltransplantation bei Patienten mit leichten Formen
GM2-Gangliosidose: Tay-Sachs-Syndrom (Typ I), 1:320.000 5 bis 6 Monate Hexosaminidase A unterstützende Pflege
GM2-Gangliosidose: Sandhoff-Syndrom (Typ II), 1:130.000 5 bis 6 Monate Hexosaminidase A und B unterstützende Pflege
Morbus Krabbe, 1:100.000 (80 bis 90 Prozent infantile Form) 3 bis 6 Monate Cerebrosid-β-Galactosidase unterstützende Pflege, Knochenmark- und Stammzelltransplantation
Morbus Krabbe, 1:100.000, späte infantile und juvenile Formen 15 Monate bis 17 Jahre Cerebrosid-β-Galactosidase unterstützende Pflege, Knochenmark- und Stammzelltransplantation
Tabelle 2: Übersicht über Sphingolipidosen (1). EET: Enzymersatztherapie; KG: Körpergewicht, iv: intravenöse Infusion; SRT: Substratreduktionstherapie

Mehr von Avoxa