Triptan oder klassisches Analgetikum? Das Apothekenteam kann Migränepatienten hier kompetente Entscheidungshilfe bieten. / © Adobe Stock/Dan Race
Migräne gehört zu den häufigsten Kopfschmerzarten. 6 bis 8 Prozent der Männer, 12 bis 14 Prozent der Frauen und 4 bis 5 Prozent der Kinder sind davon betroffen. Die Erstmanifestation tritt meist im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auf; nach dem 45. Lebensjahr gehen Häufigkeit und Schwere in der Regel zurück.
Meistens kündigt sich eine Attacke bereits Tage vor Beginn des Kopfschmerzes an (Prodromalphase), etwa durch Heißhunger auf bestimmte Nahrungsmittel, Stimmungsschwankungen sowie Hypo- oder Hyperaktivität. In der Regel folgt eine Auraphase mit visuellen Symptomen wie einem Zackenkranz mit nachfolgendem Flimmerskotom. Der Kopfschmerz selbst äußert sich häufig, aber nicht immer halbseitig. Oft ist er begleitet von Übelkeit/Erbrechen, Lichtscheu/-empfindlichkeit sowie Überempfindlichkeit gegenüber Gerüchen und Geräuschen. Er kann aber auch ganz ausbleiben. So tritt bei einer vestibulären Migräne als Leitsymptom Schwindel auf; bei 30 Prozent der Betroffenen kommt es nicht zu Kopfschmerz. Wichtiges Kriterium bei der Unterscheidung des Migränekopfschmerzes von anderen Kopfschmerzarten ist eine Verschlechterung bei (oft bereits leichter) Anstrengung.
Die Pathomechanismen, die der Migräne zugrunde liegen, sind noch nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle spielen jedoch vasodilatierende Neuropeptide wie die Substanz P und CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), die eine aseptische perivaskuläre Entzündung von Arterien der Dura mater cranialis hervorrufen. Als mögliche auslösende Faktoren kommen unter anderem hormonelle Veränderungen, starke Blutzuckerschwankungen, Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus oder bestimmte Nahrungs- und Genussmittel, aber auch Stress infrage. Optionen der Akuttherapie und Prophylaxe haben hier ihre Ansatzpunkte.
So binden Triptane an 5-HT1-Serotonin-Rezeptoren; sie wirken vasokonstriktorisch auf die erweiterten Hirnarterien, reduzieren die Neuropeptid-Freisetzung und hemmen die Schmerzweiterleitung. Für die Selbstmedikation stehen vier Wirkstoffe aus dieser Gruppe zur Verfügung: Vor mittlerweile zwanzig Jahren machte Naratriptan (etwa Formigran® 2,5 mg) den Anfang. Fünf Jahre später (2011) folgte Almotriptan (etwa Dolortriptan® 12,5 mg), 2020 Sumatriptan (etwa Sumatriptan-Hexal® 50 mg) und 2024 Rizatriptan (Rizatriptan 5 mg Heumann). Für alle Wirkstoffe dieser Gruppe gilt: Im Rahmen der Selbstmedikation dürfen sie nur bei Patienten zwischen 18 und 65 Jahren angewendet werden. Zudem muss eine gesicherte ärztliche Migränediagnose vorliegen. Die Packungen enthalten jeweils zwei Tabletten.
Nicht angewendet werden dürfen Triptane unter anderem bei Patienten mit schwerer Hypertonie, Herzerkrankungen wie Angina Pectoris oder einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Vorgeschichte. Hintergrund: Triptane wirken gefäßverengend. Bei entsprechender Vorschädigung kann dies bei den betreffenden Personengruppen das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Ein weiteres Ausschlusskriterium ist die Anwendung von Mutterkornalkaloiden wie Ergotamin. Ein Triptan darf frühestens 24 Stunden nach Anwendung von Ergotamin eingenommen werden. Zusammen mit Sumatriptan und Rizatriptan dürfen außerdem keine Arzneimittel aus der Gruppe der MAO-Hemmer eingenommen werden. In diesem Fall muss der Einnahmeabstand mindestens zwei Wochen betragen. Bei der Anwendung von Almotriptan mit MAO-Hemmern ist Vorsicht geboten. Naratriptan wird vorwiegend nicht über MAO abgebaut. Die gleichzeitige Anwendung von Johanniskraut kann ebenfalls das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.
Welches Triptan eignet sich für welchen Patienten? Wirkeintritt und -dauer sind hier wichtige Kennzahlen (Tabelle).
| Triptan | Wirkeintritt | Wirkdauer | Halbwertszeit | Zweite Einnahme bei Wiederkehrkopfschmerz frühestens nach Almotriptan | circa 45 bis 60 Minuten | kurz bis mittel | circa 3,5 Stunden | 2 Stunden |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Naratriptan | circa 1 bis 4 Stunden | lang | circa 6 Stunden | 4 Stunden | ||||
| Rizatriptan | circa 30 Minuten | kurz | circa 2 bis 3 Stunden | 2 Stunden | ||||
| Sumatriptan | circa 30 Minuten | kurz | circa 2 Stunden | 2 Stunden |
Wer unter kurzen, heftigen Attacken leidet, profitiert häufig von einem schnellen Wirkeintritt. Rizatriptan oder Sumatriptan sind dann eine gute Wahl. Wer häufig unter einem Wiederkehrkopfschmerz leidet, profitiert möglicherweise eher von einer langen Wirkdauer, wie Naratriptan sie bietet. Die Einnahme einer zweiten Tablette innerhalb von 24 Stunden ist möglich.
Grundsätzlich gilt: Hat ein Patient bereits gute Erfahrungen mit einem bestimmten Wirkstoff gemacht, sollte er bei diesem möglichst bleiben. Triptane sollten außerdem – wie auch klassische Analgetika – möglichst frühzeitig im Verlauf einer Attacke eingenommen werden. Hat ein Patient auf ein Triptan nicht angesprochen, soll laut Leitlinie ein anderes Triptan versucht werden.
Leichte und mittelstarke Migräneattacken sollten laut Leitlinie zunächst mit klassischen Analgetika behandelt werden. Sie wirken auch bei einem Teil der Patienten mit schweren Attacken. In der Selbstmedikation stehen Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Paracetamol und Phenazon sowie Kombinationen daraus – mit und ohne Coffein – zur Verfügung (Kasten).
Am besten belegt ist demnach die Wirkung von ASS und Ibuprofen. Neben dem Wirkstoff selbst spielt auch die Arzneiform eine wichtige Rolle. Bevorzugt sollten schnell freisetzende Zubereitungsformen gewählt werden. Nicht angewendet werden dürfen Wirkstoffe aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) unter anderem bei Patienten mit gastrointestinalen Blutungen oder Bronchospasmen nach NSAR-Einnahme in der Vorgeschichte.
Um das Risiko für einen analgetikainduzierten Kopfschmerz zu reduzieren, sollten Triptane und Kombinationsanalgetika nicht häufiger als an 10 Tagen pro Monat und Monoanalgetika nicht häufiger als 15 Tage im Monat angewendet werden.
Wer unter häufigen Migräneattacken leidet, möchte diesen möglichst vorbeugen. Dazu kann es sinnvoll sein, ein Migränetagebuch zu führen, um seine individuellen Auslöser zu identifizieren. Eine blutzuckerstabile Ernährung, regelmäßige Schlafzeiten und/oder Entspannungsverfahren können möglicherweise helfen, das Risiko für eine Attacke zu vermindern. Auch Ausdauer- und Kraftsport können empfohlen werden; sie sind laut Leitlinie in der Prophylaxe ebenfalls wirksam. Versucht werden können außerdem Magnesium (etwa Magnesium Verla®) oder Magnesium in Kombination mit Vitamin B2 plus Coenzym Q10 (etwa Migravent®). Allerdings ist hier die Evidenzlage begrenzt. Traditionell angewendet wird außerdem Mutterkraut (Tanacetum parthenium, etwa Mutterkraut Heumann 200 mg).