| Ev Tebroke |
| 30.10.2026 13:30 Uhr |
Eine gut geplante vegane Ernährung sei eine interessante und nachhaltige Ernährungsform, die jedoch ein gewisses Maß an Wissen und Aufmerksamkeit erfordere. Die Beratung erfolge immer individuell und bedarfsorientiert. Vitamin B12 sollte auf jeden Fall supplementiert werden. Als weitere Mikronährstoffe, die bei veganer Lebensweise potenziell kritisch sind, nennt sie: Vitamin B2, Eisen, Calcium, Zink, Selen.
Außerdem seien Vitamin D3 und Omega-3-Fettsäuren wichtig – »da muss man aber auf die Quelle achten«. Normalerweise werde Vitamin D3 aus Lanolin, dem Wollfett von Schafen, gewonnen. Als tierleidfreie Alternative komme die Gewinnung aus Algen oder Flechten infrage. Mikroalgen seien auch die vegane Quelle von Omega-3-Fettsäuren.
Jod sollte mit jodiertem Speisesalz oder mit beispielsweise Nori-Algen ausreichend aufgenommen werden. Zudem rät sie, mindestens einmal jährlich die Blutwerte überprüfen zu lassen.
Abgesehen von der Ernährungsberatung könne die Apotheke auch beim Thema vegane Arzneimittel besonders viel leisten, betont Apothekerin Behrendt. Denn Arzneimittel tragen kein Vegan-Label. Tierische Bestandteile stecken demnach oft in den Hilfsstoffen: Lactose als Füllstoff in Tabletten; Gelatine in Hart- und Weichkapseln; Schellack und Carmin (E 120) in Überzügen; Wollwachs (Lanolin) in Salben und als Ausgangsstoff für Vitamin D3; Bienenwachs in Salben und Zäpfchen; Magnesiumstearat, das pflanzlich oder tierisch sein kann.
»Der erste Blick gilt der Fachinformation. Die Herkunft eines Hilfsstoffs steht dort aber nicht immer, im Zweifel fragen wir beim Hersteller nach«, so die Apothekerin. Und ganz wichtig: »Ein notwendiges Arzneimittel sollte niemand aus Überzeugung eigenmächtig absetzen. Wir suchen gemeinsam nach Alternativen, bei Bedarf in Absprache mit der Arztpraxis.«
Ein weiterer Bereich ist auch die Beratung zu Kosmetika und Pflegeprodukten. Vegan sei nicht gleich tierversuchsfrei, unterstreicht Behrendt: ›Vegan‹ beschreibe die Inhaltsstoffe, ›tierversuchsfrei‹ die Herstellung. »Typische tierische Inhaltsstoffe sind Lanolin, Bienenwachs, Carmin, Keratin, Kollagen, Seidenproteine, Guanin aus Fischschuppen und Schneckenschleim. Squalan und Hyaluronsäure stammen heute meist aus pflanzlicher beziehungsweise fermentativer Herstellung, früher teils aus Haileber und Hahnenkamm.«
Bei Kosmetik und Arzneimitteln nähmen die Fragen nach veganen Alternativen spürbar zu, so Behrendt. Grundsätzlich habe sich das Interesse an veganer Ernährung und Kosmetik aber verändert. Der große Hype sei vorbei, das Interesse »reifer« geworden, sagt Behrendt. »Die Menschen kommen besser informiert und wollen Messwerte statt Pauschaltipps. Dazu kommen viele, die nicht streng vegan, sondern überwiegend pflanzlich essen.« Auch sie profitierten von der Beratung.
Ernährungsberaterin und Apothekerin Tykwinska kann das bestätigen. Angesichts der großen Auswahl an Ersatzprodukten betont sie aber, es sei wichtig, sich weiterhin an der Ernährungspyramide und dem sogenannten Gesunden Teller zu orientieren. »Mehr pflanzenbasierte Kost, weniger vegane Ersatzprodukte aus dem Supermarkt.« Das können sich auch Nichtveganer auf die Fahnen schreiben.