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Vorbild Jena

Masken verhindern Ausbreitung des Coronavirus

Die Stadt Jena war eine der ersten, die in Deutschland zur Eindämmung von SARS-CoV-2 eine Maskenpflicht eingeführt hat. Eine Analyse zeigt nun, dass damit viele Covid-19-Fälle verhindert werden konnten.
Annette Rößler
09.06.2020  13:06 Uhr

Medizinischer Mund-Nasen-Schutz, FFP2-Masken sowie selbstgenähte Maskengehören mittlerweile überall in Deutschland zum Straßenbild. Zu Beginn der Corona-Pandemie war das jedoch völlig anders: Eine Maskenpflicht wurde zunächst weder vom Robert-Koch-Institut (RKI) noch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürwortet. Anfang April änderte jedoch das RKI seine Einschätzung. Die WHOzog erst Anfang Juni nach, nachdem eine Metaanalyse im Fachjournal »The Lancet« gezeigt hatte, dass das Tragen von Atemschutzmasken helfen kann, Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus zu vermeiden (DOI: 10.1016/S0140-6736(20)31142-9).

In Deutschland waren sich die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern lange uneinig darüber, ob eine Maskenpflicht eingeführt werden sollte. Die Stadt Jena machte am 6. April den Anfang, andere Landkreise, Städte und Bundesländer folgten zum Teil erst deutlich später. Die Zahl der registrierten Infektionen stieg in Jena nach Einführung der Maskenpflicht nur noch schwach. Doch lag das tatsächlich an der Maskenpflicht?

Dieser Frage hat sich nun ein Team um Dr. Klaus Wälde, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, gewidmet. Die Autoren stellen in einem Diskussionspapier des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) die Ergebnisse ihrer Analyse vor, für die sie sich der statistischen Methode der synthetischen Kontrolle bedienten. Sie verglichen also die tatsächliche Entwicklung der Fallzahlen in Jena mit einer modellierten, die in einem »synthetischen Jena« zu erwarten gewesen wäre, in dem die Maskenpflicht erst später eingeführt wurde.

Nur ein Viertel der Fälle

Für das synthetische Jena zogen die Forscher andere Landkreise und kreisfreie Städte heran, die mit dem echten Jena hinsichtlich verschiedener Merkmale möglichst gut übereinstimmten. Hierzu zählten etwa die Entwicklung der Covid-19-Fallzahlen bis Ende März, die Bevölkerungsdichte, das Durchschnittsalter der Bevölkerung und die Arzpraxis- und Apothekendichte. Zwanzig Tage nach der Einführung der Maskenpflicht war die Gesamtzahl der in Jena registrierten Covid-19-Fälle lediglich um 16 gestiegen (von 142 auf 158), im synthetischen Jena – in dem es zu diesem Zeitpunkt noch keine Maskenpflicht gab – dagegen um 62 (von 143 auf 205).

Ein zweiter Schwung an Städten und Kreisen folgte dem Beispiel Jenas bereits am 22. April und führte die Maskenpflicht ein, bevor schließlich ab dem 27. April das restliche Bundesgebiet folgte. An diesen beiden Gruppen wiederholten die Forscher den Vergleich und stellten fest, dass die Reduktion der Fallzahlen infolge der Einführung der Maskenpflicht zwar geringer ausfiel als in Jena, aber immer noch statistisch signifikant war. »Zusammenfassend kann man sagen, dass die Einführung der Maskenpflicht in den jeweiligen Kreisen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 beigetragen hat«, wird Wälde in einer Pressemitteilung der Universität Mainz zitiert.

Dieses Ergebnis stehe mit der Einschätzung von Epidemiologen und Virologen in Einklang, dass ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen hemme und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel eingedämmt werde. Zudem sei es möglich, dass die Masken eine Signalfunktion für die Bevölkerung haben könnten, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. »Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine Maskenpflicht ein Baustein auch für die weitere Eindämmung von Covid-19 ist«, so Wälde.

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