| Theo Dingermann |
| 05.11.2026 16:20 Uhr |
Die Diagnose bleibt eine Ausschlussdiagnose. Erforderlich sind ein plausibler zeitlicher Zusammenhang und die Abklärung anderer Ursachen, insbesondere viraler oder autoimmuner Hepatitiden sowie von Gallenwegserkrankungen.
Als biochemische Kriterien nennt die Übersichtsarbeit Transaminasen ab dem Fünffachen oder alkalische Phosphatase ab dem Zweifachen der oberen Normgrenze. Ein weiteres Kriterium ist Gesamtbilirubin über dem Zweifachen bei gleichzeitig mindestens dreifach erhöhter Alanin-Aminotransferase (ALT). Das hepatozelluläre, cholestatische oder gemischte Schädigungsmuster lenkt die weitere Diagnostik. Eine Leberbiopsie ist nur in ausgewählten Situationen erforderlich.
Entscheidend ist das rasche ärztlich veranlasste Absetzen des verdächtigen Präparats. Weitere nicht zwingend erforderliche Mittel sollten pausiert werden. Die Behandlung ist überwiegend unterstützend, begleitet von Verlaufskontrollen.
Corticosteroide kommen bei autoimmunen Merkmalen, Überempfindlichkeitsreaktionen oder Leberschäden durch Checkpoint-Inhibitoren infrage. Enzephalopathie, Gerinnungsstörungen oder eine zunehmende Hyperbilirubinämie erfordern die frühzeitige Vorstellung in einem Transplantationszentrum. Eine erneute Exposition sollte grundsätzlich vermieden werden.
Bei mehr als 80 Prozent heilen die Schäden nach raschem Absetzen ohne bleibende Folgen aus. Bei bis zu 20 Prozent können auffällige Leberwerte oder Juckreiz länger als sechs Monate bestehen. Schwere Verläufe bis zu Tod oder Transplantation betreffen in klinischen Registern bis zu 10 Prozent. Solche Register erfassen überproportional schwer Erkrankte. Vorbestehende Leberkrankheiten verschlechtern die Prognose.
Aus all dem ergibt sich die konkrete Aufgabe, sämtliche Arzneimittel und Supplemente konsequent zu erfassen und bei verdächtigen Beschwerden diese zeitnah ärztlich abklären zu lassen.