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Demenzen

Langsamer Abschied für alle

Der Psychiater Alois Alzheimer untersuchte Auguste Deter 1901 als erste Patientin mit typischen demenziellen Symptomen. Auch heute, fast 120 Jahre später, ist die Alzheimer-Pathogenese nicht vollständig geklärt. Auch dies ist ein Grund, warum es immer noch nicht gelingt, die degenerativen Prozesse medikamentös aufzuhalten.

Typische Anzeichen sind Störungen im Lernen und bei der Aufnahme neuer Informationen, verbunden mit zunehmenden Problemen des Sprechens und der Orientierung. Zusätzlich treten auch psychomotorische Einschränkungen auf. Nicht eingeschränkt sind bei Alzheimer-Patienten die Sinneswahrnehmung, Emotionen und das Bewusstsein. Die Patienten weisen häufig schon Jahre vor der Diagnosestellung Verminderungen des Geruchs- und Geschmackssinns auf, ähnlich wie bei Parkinson-Patienten.

An der Alzheimer-Pathogenese sind maßgeblich Amyloid-Plaques und hyperphosphoryliertes Tau-Protein beteiligt. Intrazelluläre lösliche Amyloid-β1-42-Oligomere beeinträchtigen den axonalen Transport von Proteinen und Mitochondrien, der essenziell für die synaptische Funktion ist (4). Die Ablagerung der neurotoxischen Proteine und die Degeneration der Hirnsubstanz beginnen vermutlich mehrere Jahrzehnte vor der klinischen Diagnose. Daher liegt es nahe, dass Wissenschaftler frühe Biomarker erforschen, um bereits vor der Zerstörung des neuronalen Gewebes therapeutisch eingreifen zu können.

Prognose und Verlauf

Nicht selten bemerken ältere Menschen eine Phase mit Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen und Denkstörungen ohne deutliche Alltagseinschränkungen. Dieses »mild cognitive impairment« (MCI) kann ein Vorstadium, aber auch ein Risikofaktor für Morbus Alzheimer sein. In der Apotheke kann es sich so äußern, dass Patienten bereits mehrmals besprochene Einnahmehinweise immer wieder vergessen und im Gespräch längeren Ausführungen nicht folgen können. Etwa 10 Prozent der MCI-Betroffenen entwickeln pro Jahr eine manifeste Demenz.

Die Überlebenszeit nach Beginn der ersten diagnostisch festgestellten kognitiven Einschränkungen ist individuell und je nach Demenzform hoch variabel und wird auf durchschnittlich etwa acht Jahre geschätzt. Der gesundheitliche Zustand verschlechtert sich zunehmend von ersten kognitiven Defiziten, starken Beeinträchtigungen der Alltagsbewältigung bis hin zur kompletten Pflegebedürftigkeit. Die Todesursache ist häufig eine Pneumonie.

Ziel der medikamentösen und soziotherapeutischen Behandlung ist es, die Alltagskompetenzen zu stabilisieren und die Pflegesituation hinauszuzögern. Häufig verändert sich allmählich die Persönlichkeit des Kranken, was die Angehörigen als sehr belastend erleben. Patienten werden aggressiv, fühlen sich verfolgt und leiden häufig unter Depressionen.

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