Pharmazeutische Zeitung online
Mobile PCR-Testungen

Labore versprechen sich von Apotheken keine Entlastung

»Keine signifikante Verbesserung durch Apotheken«

»Keine signifikante Verbesserung durch Apotheken«

Dass die Apotheken, die seit der vergangenen Woche in den Offizinen PCR-Tests ohne Fremdlaboranalyse durchführen dürften, hierbei eine Entlastung bieten könnten, glauben Müller und seine Vorstandskollegen allerdings nicht. Evangelos Kotsopoulos etwa, ALM-Vorstandsmitglied sowie CEO und Geschäftsführer von Sonic Healthcare Germany, erklärte auf PZ-Anfrage, dass die mobilen Geräte, die Apotheken für die PCR-Analyse nutzen dürften, schlicht und ergreifend zu langsam seien. »Damit ist keine signifikante Entlastung zu erwarten«, so Kotsopoulos. Die PoC-NAT-Testsysteme, die laut der jüngsten Version der Coronavirus-Testverordnung dafür vorgesehen sind, seien »nicht dafür gemacht, Hunderttausende von Menschen ins System zu bringen«. Die Geräte schafften »zwei bis drei, in Ausnahmen bis zu sechs Tests pro Stunde«. Dies könne nicht dabei helfen, die Engpässe in den Laboren signifikant zu bekämpfen, so Kotsopoulos. Allenfalls könnten sie hilfreich sein, wenn es um ein schnelles PCR-Testergebnis gehe. »Hier könnten sie in der Tat eine Unterstützung darstellen.« Aber dies seien einzelweise Testungen, die eben nicht in großem Stil effizient seien.

Der ALM-Vorstandsvorsitzende Müller ergänzte, die PCR-Analyse gehöre »in fachkundige Hände, die dafür ausgebildet sind«. Das seien Apothekerinnen und Apotheker nun einmal nicht. Zudem komme es gerade bei den genannten mobilen Systemen immer wieder zu falsch negativen Ergebnissen, selbst bei symptomatischen Patientinnen und Patienten. »Hier braucht es eine Qualitätssicherung, und die ist mit damit nicht gegeben«, so Müller. Ansonsten würde viel Vertrauen verspielt.

PCR-Testgeräte kosten mehrere Tausend Euro

Zudem kommt für die diesbezügliche flächendeckende Einbindung der Apotheken ein weiteres Hindernis hinzu. Die PoC-NAT-Testgeräte, die in Apotheken zum Einsatz kommen können, kosten zwischen 4000 und 10.000 Euro je Gerät. Auf dem Markt gibt es beispielsweise das »ID NOW™ PoC-Testgerät (NAT)« von Abbott, das rund 3500 Euro in der Anschaffung kostet. Credo Diagnostics bietet ein ähnliches Gerät an, das allerdings mehr als 5000 Euro kostet. Auch eine Kooperation zwischen den Firmen Viromed, Nanorepro und Medsan Biotech bietet ein Analysegerät mit dem Namen »ultraSBMS16 VitaLab PCR« für mehr als 9000 Euro an. Eine etwas größere Version davon, die statt 16 auch 24 Tests gleichzeitig analysieren kann, kostet mehr als 10.000 Euro. Letztere Geräte, die viele Tests auf einmal poolen können, lohnen sich für Apotheken aber oftmals nicht.

Neben den Anschaffungskosten für die Geräte kommen auch die Kosten für die einzelnen Tests hinzu. Diese liegen zwischen 15 bis 40 Euro je Test inklusive etwa Pufferlösungen. Zudem ist die Bedienung der Testgeräte relativ personalintensiv, weiß etwa die Apothekerin Gesine Senecal von der Zentral-Apotheke in Karlsruhe. »Eine Personalkraft ist für einen Test etwa eine halbe Stunde beschäftigt«, sagte sie der PZ.

Der Gesetzgeber hat aber mit der Aktualisierung der Coronavirus-Testverordnung geregelt, dass unter anderem Apotheken für diese Art von Tests mit 30 Euro je PCR-Test vergütet werden können. Aufgrund der hohen Kosten sei dies aber nicht machbar, betonte Senecal gegenüber der PZ. Die Zentral-Apotheke bietet die Tests wie einige andere Apotheken auch nur als Selbstzahlerleistung für private Zwecke an. Diese PCR-Tests, die in wenigen Stunden ein Ergebnis bieten, kosten damit aber auch zwischen 60 und 100 Euro. Wenn die Vergütung weiter bei 30 Euro bleibt, dann sei dies nicht einmal kostendeckend, so Senecal. Auch aus diesem Grund können die Apotheken derzeit kaum Abhilfe für die Labore schaffen und PCR-Tests etwa für die Bestätigungsdiagnostik nach positiven Schnelltests oder im Auftrag von Gesundheitsämtern durchführen.

Seite<12

Mehr von Avoxa