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Psychoonkologie

Krebs bei Kindern

»Unser vorrangiges Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität aller Beteiligten und die Reduzierung ihrer Furcht«, beschreibt Zimmermann die Anforderungen an die Psychoonkologen. »Wir arbeiten im Moment und fragen: Was sind gerade die Sorgen und Ängste?« Beides unterscheide sich naturgemäß bei Kindern und Eltern: »Kinder sind oft sehr robust und psychisch weniger belastet als die Eltern. Sie nehmen die Krankheit anders wahr. Eltern gehen vom Schockzustand über in den Status des Funktionierens. Sie tun alles, was notwendig ist, für die Therapie, den Haushalt, die Arbeit und die Versorgung der Kinder. Sie sind wie in einem Tunnel«, macht die Onkologin deutlich.

Psychosoziale Unterstützung bedeute auch, Kräfte zu mobilisieren, die den Betroffenen zuvor nicht bewusst waren. »Diesen Aspekt bezeichnen wir als posttraumatisches Wachstum. Gerade Eltern ist gar nicht klar, was sie alles leisten. Erst mit etwas Abstand nehmen sie es zur Kenntnis. Das versuchen wir anzuregen. ›Was belastet mich, was sind meine Ressourcen? Und wie kann ich neue Ressourcen mobilisieren?‹ Bei der Beantwortung dieser Fragen versuchen wir ihnen zu helfen«, sagt die Psychoonkologin. Sie hebt hervor, dass Unterstützung gewollt und eingefordert werden müsse. Doch liege es nicht für jeden auf der Hand, das auch zu tun. Auch Selbsthilfegruppen könnten hier eine erste Anlaufstelle sein.

Rückt das kranke Kind in den Mittelpunkt des Familienlebens, bedeutet das für die anderen Familienmitglieder zwangsläufig, dass sie in den Hintergrund treten. Geschwisterkinder reagieren darauf sehr unterschiedlich. »Manche haben Angst, andere sind wütend, dass der Bruder oder die Schwester so viel Aufmerksamkeit bekommt. Dann wieder schämen sie sich für diese Gefühle. Wir erleben hier ein großes Potpourri an Emotionen«, so Zimmermann. Wichtig sei es, auch diese Kinder nicht aus den Augen zu verlieren und ihnen, so gut es geht, einen normalen Alltag zu bieten. »Sie müssen wissen, was los ist. Nicht in allen Details, aber Eltern sollten offen und ehrlich mit ihnen kommunizieren. Ob über den Krebs oder über die veränderte Situation in der Familie«, macht Zimmermann deutlich. Das gelte auch für das erkrankte Kind. Nichtwissen sei schlimmer als die Realität.

Fällt es Eltern schwer, die richtigen Worte zu finden, hilft auch hier das psychoonkologische Team. Nicht selten fungieren Zimmermann und ihre Kollegen auch als Mittler zwischen Eltern und dem erkrankten Kind oder dem medizinischen Team. Die Therapeutin nennt das »Kommunikation über Bande«.

Zimmermann hebt hervor, dass auch die Paarbeziehung der Eltern unter der Krebserkrankung eines Kindes leiden kann. Über einen langen Zeitraum spielen Zweisamkeit, Partnerschaft und Intimität keine Rolle. »Stattdessen rückt Organisatorisches in den Vordergrund. Das kann zu Entfremdung und Sprachlosigkeit führen. Wie sehr, hängt sicher damit zusammen, wie gut das Paar vorher kommuniziert hat.« 

Zwar sei aus der Paarforschung bekannt, wie wichtig eine funktionierende Kommunikation für die Zufriedenheit in einer Partnerschaft ist. Dieses Wissen in der Akutbehandlung zu platzieren, sei für die Psychoonkologen aber schwierig. »Wir merken natürlich, wo sich Spannungen aufbauen. Für die Eltern steht das aber nicht im Vordergrund«, weiß die Therapeutin. Dabei wäre eine frühzeitige Intervention aus präventiver Sicht besser.

Ihr Rat an Eltern lautet: »Bleiben Sie im Gespräch miteinander. Nicht nur darüber, wer wann wohin fährt. Auch über Ihre Ängste und Sorgen. Schauen Sie gemeinsam, was hier gerade passiert. Geben Sie Ihrem Partner die Rückmeldung: Was du da leistest, ist toll. Und reden Sie offen über Ihre Erwartungen.« 

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