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Nebennieren

Kleine Drüsen mit großer Bedeutung

Aufwendige Diagnose

Der Cortisol-Gehalt des Bluts kann sich innerhalb von Minuten ändern. Eine einzelne Blutuntersuchung ist ­daher nicht aussagekräftig. Um zu entscheiden, ob ein Tumor für den Hypercortisolismus verantwortlich ist, ­bestimmt der Arzt die Cortisol-Ausscheidung im 24-Stunden-Urin. Beim Gesunden sinkt die Produktion in der Nacht ab, während ein Tumor für eine durchgehende Synthese des Hormons sorgt.

Zur weiteren Diagnostik dienen Stimulationstests. Der Arzt regt die Nebennieren an, Cortisol zu produzieren, indem er Substanzen wie ACTH (ACTH-Test) oder CRH (CRH-Test) intravenös spritzt. Dann nimmt er im Abstand von jeweils etwa einer halben Stunde über einen bestimmten Zeitraum hinweg Blut ab. Auch Untersuchungen mit Ul­traschall oder Magnetresonanztomografie können erforderlich sein. In Zukunft können Ärzte möglicherweise durch eine Haaranalyse Störungen wie einen Hypercortisolismus feststellen (9, 10, 12, 13).

Behandlung des Cortisol-Überschusses

Bei einem Zuviel an Cortisol ist eine Behandlung nicht zwangsläufig erforderlich, wie Fassnacht erläutert: »Gerade beim Cortisol-Exzess gibt es Graubereiche, die früher subklinisches Cushing-Syndrom genannt wurden und heute besser als autonome Cortisol-Sekretion bezeichnet werden. Diese Zustände müssen nicht zwangsläufig behandelt werden.«

Ein ACTH-produzierendes Adenom entfernen Ärzte in der Regel operativ. War dies nicht erfolgreich oder bildet sich ein Rezidiv, muss erneut operiert werden. Eine Bestrahlung ziehen Ärzte meist erst dann in Erwägung, wenn Rezidive auftreten und die chirurgischen Möglichkeiten nicht erfolgreich waren. Der Effekt tritt bei der Bestrahlung langsam und zeitlich verzögert ein (9, 10).

Auch medikamentös lässt sich etwas machen. Pasireotid (Signifor®) erhielt im Juni 2012 die Zulassung als Orphan Drug. Das subkutan zu applizierende Somatostatin-Analogon hemmt in der Hypophyse die Freisetzung des Wachstumshormons Somatotropin sowie die ACTH-Synthese. Es ist indiziert bei erwachsenen Patienten mit Morbus Cushing, wenn ein chirurgischer Eingriff nicht infrage kommt oder fehlgeschlagen ist (14).

Metyrapon (Metopiron®) wird zur Behandlung von Patienten mit endogenem Cushing-Syndrom sowie als Diagnostikum zur Differenzialdiagnose des ACTH-abhängigen Cushing-Syndroms und der Hypophysen-Insuffizienz eingesetzt. Der Arzneistoff hemmt in der NNR die Synthese von Cortisol und Corticosteroiden, indem er die Steroid-11β-Hydroxylase inhibiert (15).

Seit November 2014 ist auch Keto­conazol (Nizoral®) als Orphan Drug für Patienten mit Cushing-Syndrom zugelassen. Der Wirkstoff hemmt Enzyme in den Nebennieren, die eine Rolle bei der Cortisol-Produktion spielen (16).

Ganz aktuell erlangte Osilodrostat (Isturisa®) die Zulassung zur Behandlung von Erwachsenen mit endogenem Cushing-Syndrom. Der orale Cortisol-Synthese-Hemmer inhibiert ebenfalls die 11β-Hydroxylase und damit den letzten Schritt der Cortisol-Biosynthese. Der Wirkmechanismus ähnelt dem von Metyrapon. Anders als Metyrapon muss Osilodrostat jedoch nicht vier Mal täglich, sondern nur zwei Mal eingenommen werden, da die Halbwertszeit länger ist (17, 18).

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