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Nebennieren
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Kleine Drüsen mit großer Bedeutung

Sie erscheint auf den ersten Blick nur als Anhängsel der Niere. Dabei ist die Nebenniere als Synthese-Ort essenzieller Hormone lebenswichtig für den Menschen. Störungen gehen mit ernsten Gesundheitsschäden einher. Eine Heilung ist oft nicht möglich und eine lebenslange Substitution der Hormone erforderlich.
AutorKontaktNicole Schuster
Datum 29.03.2020  08:00 Uhr

Cushing-Syndrom: zu viel Cortisol

Ein Zuviel an Cortisol ist dauerhaft ebenfalls schädlich. Dazu kann es kommen, wenn der Körper zu viel Hormon produziert (Morbus Cushing) oder wenn Patienten längere Zeit hochdosiert Cortisol-Präparate einnehmen.

Die Auswirkungen lassen sich bereits äußerlich erkennen. Typisch sind Stammfettsucht mit schlanken Extremitäten, Vollmondgesicht und Stiernacken. Charakteristische Beschwerden sind Hautatrophie, diabetische Stoffwechsellage mit erhöhten Glucosespiegeln und Blutfetten (»Steroid­diabetes«) sowie Muskelschwäche und Osteoporose. Eine erhöhte Infektanfälligkeit tritt auf, ebenso Hypertonie, die durch die vermehrte Natrium- und Wasserretention bedingt ist. Frauen entwickeln infolge der androgenen Effekte eine unreine Haut, die sogenannte Steroidakne, und Zyklus­störungen (9, 10).

Am häufigsten tritt ein Überschuss an Cortisol bei Patienten auf, die über eine längere Zeit mit Cortisol oral oder intravenös oberhalb der individuell ­unterschiedlichen Cushing-Schwellendosis behandelt werden. Auch intramuskuläre oder intraartikuläre Gaben sind kritisch (Tabelle 2).

Wirkstoff Relative glucocorticoide Wirkstärke Relative mineralocorticoide Wirkstärke Cushing-Schwelle (mg/Tag)
Hydrocortison 1 1 30
Cortisol 0,8 0,8 40
Prednison, Prednisolon 4 0,8 7,5
Methylprednisolon 5 ~0 6
Triamcinolon 5 ~0 6
Dexamethason 30 ~0 1
Betamethason 30 ~0 1
Fluocortolon 5 ~0 7,5
Tabelle 2: Äquivalenzdosen; relative Wirkstärken im Vergleich zu körpereigenem Cortisol (30, 31)

Produziert der Körper hingegen zu viel Cortisol, sind zwei Formen zu ­unterscheiden. Beim hypothalamisch-hypophysären Typ, auch als echter Morbus Cushing oder zentrales Cushing-Syndrom bezeichnet, verursacht ein ACTH-produzierendes Hypophysen-Adenom die Überfunktion. An dieser Form leiden etwa 70 Prozent der Patienten. Beim selteneren ACTH-­unabhängigen Cushing-Syndrom ist meistens ein Tumor der NNR für die ­erhöhte Cortisol-Produktion verantwortlich. Bei wenigen Patienten stellen Ärzte eine ektope ACTH-Produktion fest (paraneoplastisches Syndrom). Das bedeutet, dass Tumoren wie das Bronchial-, Leberzell- oder Nierenkarzinom selbst ACTH produzieren (9, 10).

Auch bei Kindern kann ein Cushing-Syndrom auftreten, am häufigsten nach lang dauernder hochdosierter Glucocorticoid- oder ACTH-Therapie. Die S1-Leitlinie zum Cushing-Syndrom im Kindesalter von 2020 empfiehlt je nach individueller Situation eine ope­rative oder medikamentöse Therapie oder eine Bestrahlung. Im Verlauf sollte ein Arzt die Nebennierenfunktion regelmäßig überprüfen (11).

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