In wie weit sich die Tight Junctions öffnen, unterliegt dem Einfluss von Zonulin. Produzieren die Darmepithelien viel davon, weichen die Tight Junctions leichter zurück, die Zellzwischenräume sind weit geöffnet. Größere Moleküle oder Bakterienbestandteile können leichter passieren und mit Immunzellen in Kontakt treten. »Erhöhte Zonulinwerte weisen auf ein Leaky-Gut-Syndrom hin, nicht automatisch auch auf eine Allergie. Allerdings können bei erhöhten Werten allergische Reaktionen eher auftreten, weil Immunzellen stimuliert sind.« Die Mikrobiomspezialistin sieht in Dysbiosen und damit dem Fehlen wichtiger »Barriere-Bakterien« den wichtigsten Faktor für die Ausbildung eines Leaky Guts.
Viele gute Präbiotika im Darm: Das sorgt für kurzkettige Fettsäuren. / © Adobe Stock/Poligoone
Diagnostizieren lässt sich ein Leaky-Gut-Syndrom mithilfe einer Stuhlprobe. Dabei dienen vor allem Zonulin und Alpha-1-Antitrypsin als Marker. »Sind die Werte entsprechend erhöht, kann man davon ausgehen, dass die Darmbarriere zu durchlässig ist.« Sind auch noch der Entzündungsparameter Calprotectin und Immunglobulin A erhöht, rät die Ernährungswissenschaftlerin zu Gegenmaßnahmen, die die Ernährungsweise betreffen.
In erster Linie gilt es, die Ernährung so umzustellen, dass sich mehr Butyrat-bildende und mucosaprotektive Bakterien ansiedeln. »Das funktioniert am besten mit präbiotischen Ballaststoffen, allen voran resistenter Stärke in abgekühlten stärkehaltigen Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Daraus können die Darmbakterien wieder mehr Butyrat bilden. Aber auch Inulin (Vorsicht: nicht bei Fructoseintoleranz geeignet!), Omega-3-Fettsäuren und pflanzliche Proteine aus Hülsenfrüchten und Nüssen stärken die Butyratbildner unter den Darmbakterien, also etwa Faecalibacterium prausnitzii, Eubacterium rectale, Ruminococcus-Arten oder Enterokokken.« Auch eine gezielte Einnahme von Probiotika »unterstütze die Reparaturarbeiten an der Darmschleimhaut«.
Zudem sei es ratsam, Nahrungsmittelzusatzstoffe zu reduzieren. Vor allem Emulgatoren schadeten der Darmbarriere. Sie stehen in Verdacht, nicht nur Fette aufzuschließen, sondern auch die Schleimschicht des Darms anzugreifen und gewissermaßen wasserlöslich zu machen, wie die Expertin erklärte. Auf der Liste der Inhaltsstoffe tragen Emulgatoren die E-Nummern E 430 bis E 499.