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Dysbiosen und Allergien
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Ist die Darmbarriere noch ganz dicht?

Eine pflanzenbasierte, ballaststoffreiche Ernährung ist wesentlich dafür verantwortlich, dass die Darmschleimhaut gut gedeiht, integer bleibt und nicht entzündlich durchlässig für Pathogene wird. Was Allergien mit Dysbiosen des Mikrobioms zu tun haben, erklärt Dr. Michaela Axt-Gadermann, Professorin für Gesundheitsförderung.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 06.03.2026  18:00 Uhr

Die Sache mit dem Gluten

Zudem ist es laut Axt-Gadermann sinnvoll, für eine gewisse Zeit glutenreiche Getreide zu reduzieren. »Das im Gluten enthaltene Gliadin aktiviert die Zonulinfreisetzung im Darm. Die Tight Junctions öffnen sich, die Durchlässigkeit der Darmbarriere ist erhöht. Wenn nun die Aufnahme von glutenreichem Getreide runtergefahren wird, sinken die Zonulinspiegel, der Aktivierungsprozess für die Tight Junctions wird heruntergefahren.« Eine dauerhafte glutenfreie Ernährung hält Axt-Gadermann dagegen nicht für sinnvoll.

Den Trend, sämtliche Getreideprodukte auch in der glutenfreien Variante zu vermarkten, sieht die Medizinerin mit einiger Sorge. »Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass eine glutenfreie Ernährung für Menschen ohne eine Form der Glutenunverträglichkeit gesünder ist oder irgendwelche Vorteile besitzt. Doch mittlerweile ist ›glutenfrei‹ fast schon zu einem Qualitätskriterium für gesundes Essen geworden. Das erinnert mich an die Auslobung »frei von Schadstoffen«, als wäre es ein Gütesiegel«, bezieht sie Stellung.

Im Gegenteil: Es sei eine völlig falsche Botschaft, dass Gluten für alle Menschen ungesund sei. »Für die meisten von uns ist der Glutengehalt völlig irrelevant und wir vertragen es. Ausgewogene Ernährung bedeutet, dass man von allem in Maßen isst und Extreme meidet. Zöliakie betrifft nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung. Ebenfalls selten sind Weizenallergie oder eine Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität. Wird Gluten aufgrund eines Reizdarmsyndroms nicht vertragen, hilft oft vorübergehender Verzicht, sodass es nach einigen Wochen Karenz in kleinen Mengen wieder vertragen wird.«

Langfristig sieht sie in einer glutenfreien Ernährung, obwohl man es vertragen würde, sogar Nachteile. Menschen, die über längere Zeit das Klebereiweiß meiden und somit auch gesunde Getreide vom Speiseplan streichen, entwickeln häufig einen Mangel an Vitamin B12, Folsäure sowie an Eisen, Zink, Magnesium und Calcium. Ebenso auffällig: Die Menschen weisen auch höhere Spiegel an Schwermetallen in Blut und Urin auf. »Erklärt wird das damit, dass bei einer glutenfreien Ernährung auf Getreidealternativen zurückgegriffen wird, wie vor allem Reismehl. Und dieses ist mit mehr Schwermetallen belastet – was längerfristig Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Gehirn hat.«

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