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Internisten kritisieren Grippeimpfung in Apotheken

Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) kritisiert, dass Apotheker nun im Rahmen von Modellprojekten gegen Grippe impfen dürfen. Anlass ist der Start des Impfvorhabens im Raum Nordrhein.
Ev Tebroke
10.07.2020  16:52 Uhr

Ab Herbst bieten Apotheken im Raum Nordrhein Erwachsenen die Möglichkeit, sich in der Offizin gegen Grippe impfen zu lassen. Den Start eines entsprechenden Modellprojekts haben der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) und die AOK Nordrhein/Hamburg gestern bekannt gegeben. Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) nimmt dies zum Anlass, um erneut den Unmut der Ärzteschaft darüber zu äußern, dass Apotheker unter gewissen Bedingungen Impfungen anbieten dürfen. Eine entsprechende Regelung hatte der Gesetzgeber mit dem Masernschutzgesetz geschaffen, das seit März in Kraft ist. Erklärtes Ziel des Gesetzgebers ist es, dadurch die Impfrate in der Bevölkerung zu erhöhen. Der BDI sieht die Impfmöglichkeit in Apotheken jedoch nicht als Chance und Unterstützung sondern als Einmischung in die Belange der ärztlichen Heilkunde.

»Es ist schon erstaunlich, wie leichtfertig hier mit der Ausübung der ärztlichen Heilkunde umgegangen wird«, teilte BDI-Präsident Professor Hans-Martin Hoffmeister mit. Impfen sei eine originäre ärztliche Aufgabe, bei der es um mehr als um die Verabreichung eines Impfstoffes gehe. Hoffmeister warnt vor möglichen Komplikationen wie etwa allergische Reaktionen, die schnelles ärztliches Handeln erforderten. Ärzte seien mit entsprechender Notfallausrüstung und unter Anwendung eines eingespielten Notfallmanagements für diese Situationen bestens geschult. Eine solche Sicherheit könne es von Apotheken nie geben.

»Bei allem Verständnis, durch mögliche neue Aufgabenfelder eine Daseinssicherung der Apotheken vor Ort zu ermöglichen, kann dies sicherlich nicht durch einen Zugriff in den Leistungskatalog für ärztliche Tätigkeiten erfolgen«, so der BDI-Präsident. Insbesondere unter dem Eindruck, dass zwischenzeitlich nahezu alle ärztlichen Fachgruppen Impfungen durchführen können, greift für Hoffmeister das Argument der Ermöglichung eines niederschwelligen Zugangs zu Grippeimpfungen ins Leere. Anstatt sich in die Belange der ärztlichen Heilkunde einzumischen, sollten die Apothekern sich auf ihre Kernkompetenzen und ihre Verantwortung gegenüber dem Patienten konzentrieren. Alles andere verschlechtere nur die Versorgungsqualität und wirke sich nachteilig Patienten aus.

Die Argumente des BDI sind nicht neu. Die Apotheker sehen ihr Angebot jedoch nicht als Heilkunde, sondern als eine Präventionsleistung.  In der Apotheke gegen Influenza zu impfen, sei kein langjähriger Wunschtraum der Apothekerschaft, betont der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, in einem Interview mit der PZ.  Aber der Gesetzgeber habe erkannt, dass die Impfquote erhöht werden muss und deshalb Modellprojekte zur Grippeschutzimpfung in Apotheken neu ins Sozialgesetzbuch aufgenommen. »Wir wollen dazu beitragen, das umzusetzen.«

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