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Apotheker nehmen die Herausforderungen an

22.09.2003  00:00 Uhr

Deutscher Apothekertag 2003

Apotheker nehmen die Herausforderungen an

Download GrundsatzredeVom Deutschen Apothekertag und der Expopharm berichten Conny Becker, Thomas Bellartz, Christiane Berg, Christina Hohmann, Hanna Kleine-Weischede, Brigitte M. Gensthaler, Kerstin A. Gräfe, Hartmut Morck, Gerd Moser, Daniel Rücker, Ulrike Wagner und Elke Hinkelbein (Fotos).

Nicht wenige hatten befürchtet, der Deutsche Apothekertag in Köln werde zum Schauplatz für die Selbstzerfleischung eines Berufsstandes. Sie wurden eines Besseren belehrt, manche vielleicht auch ein wenig enttäuscht. Die Delegierten beschäftigten sich mit der Zukunft, nicht mit sich selbst. Kritiker aus dem Cyberspace vereinten sich mit denen aus Kammern und Verbänden zum gemeinsamen Schweigen.

„Von diesem Apothekertag ging ein Signal des Aufbruchs aus“, bilanzierte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese am Ende der Hauptversammlung. Auf dem Deutschen Apothekertag in Köln wurde deutlich: Der Berufsstand ist gut aufgestellt. Mit dem Internetportal Aponet, dem Hausapothekenmodell und weiteren Angeboten für pharmazeutische Dienstleistungen machen sie den Menschen ein attraktives Angebot für eine hochwertige Arzneimittelversorgung.

Obwohl die Auswirkungen des Beitragssatzsicherungsgesetzes und die Sorgen vor dem GKV-Modernisierungsgesetz zu spüren waren, blieb für Larmoyanz und Destruktion wenig Raum. Die sachliche Diskussion über Chancen und Risiken der kommenden Jahre standen im Mittelpunkt des Deutschen Apothekertages. Die befürchteten destruktiven Proteste blieben aus.

Mit der Fortentwicklung des Aponet und dem Hausapothekenmodell haben die Apotheker bereits wichtige Modelle für die Zukunft auf den Weg gebracht, stellte Friese in seinem Bericht zur aktuellen Lage fest. Für die ab sofort im Aponet verankerte Möglichkeit, sich Arzneimittel bis ans Krankenbett liefern zu lassen erhielt die ABDA sogar ein seltenes Lob. Die parlamentarische Staatssekretärin Marion Caspers-Merk bezeichnete das Angebot der Apotheker als eine richtige Antwort auf die Liberalisierung des Arzneimittelmarktes.

Die Grußworte der Opposition machten deutlich, dass sie sich weiterhin für die freiberufliche Apotheke einsetzen wollen. CDU-Gesundheitspolitiker Andreas Storm stellte heraus, die Union habe Versandhandel und eingeschränktem Mehrbesitz nur deshalb zugestimmt, weil ansonsten die Regierung diese Punkte ohne Zustimmung des Bundesrates hätte verabschieden können. Die Konsequenzen hätten die Apotheker weitaus härter getroffen.

Positive Signale gingen auch von der parallel zum Apothekertag stattfindenden Expopharm aus. Mehr als 25.000 Besucher machten deutlich, dass die Aufbruchsstimmung der Delegierten auch die Befindlichkeit der Basis wiedergibt. Während der Eröffnungsveranstaltung der Messe hatte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hermann Stefan Keller, bereits unmissverständlich klar gemacht: „All das Klagen bringt nichts.“ Die Besucher hielten sich daran. Die meisten Aussteller zogen eine überaus positive Bilanz. Sie waren mit geringen Erwartungen gekommen, doch schnell musste die Depression der Euphorie weichen.

 

Weitere Berichte:

  • Ministerium steht zu EntwurflKeine beneidenswerte Aufgabe. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS), Marion Caspers-Merk, sah sich bei ihrer Ansprache anlässlich der Eröffnung des Deutschen Apothekertages vielen Kritikern gegenüber. lKommentar: Sachlichkeit statt Emotionen
  • Lobende Worte und heftige Scheltel Die Gesundheitsreform verlange allen Beteiligten viel ab, der erzielte Konsens trage aber dazu bei, dass bewährte Strukturen im Gesundheitswesen erhalten bleiben. Der Unionspolitiker Andreas Storm, MdB, verteidigte in seinem Grußwort das Einlenken der Union.
  • Nummer eins der ArzneimittelversorgunglDurch das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) kommen auf die Apotheker eine Reihe von Veränderungen wie Versandhandel und Mehrbesitz zu. Für diese Probleme gilt es, Lösungen zu finden. Dies ist die „gewaltige Aufgabe“ des Deutschen Apothekertages, erklärte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese zur Eröffnung der Tagung in Köln.
  • Risiko und ChancelDer Entwurf zum GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) bietet sicherlich keinen Grund zum Jubeln. Der Hauptgeschäftsführer der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände kann in dem Gesetz aber auch Chancen erkennen.
  • Maximal vier gilt auch für OHGslDie Befürchtungen vieler Apothekerinnen und Apotheker trotz der Beschränkung des Mehrbesitzes könnten Kollegen über eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) größere Ketten bilden, entkräftete Lutz Tisch, Geschäftsführer Apotheken- und Arzneimittelrecht, Berufsrecht der ABDA. lKommentar: Gratwanderung
  • Apotheker als SicherheitsgarantenlPharmazeutische Dienstleistungen binden Patienten an ihre Hausapotheke. Das Hausapothekenmodell ermöglicht es zudem, Apotheker in integrierte Versorgungsformen und strukturierte Behandlungsprogramme zu integrieren, so Dr. Christiane Eckert-Lill, Geschäftsführerin Pharmazie der ABDA, im Arbeitskreis 2.l Kommentar: Den Menschen stärken
  • Der Wettbewerb wird härterlAb Januar sehen sich Apotheker stärker dem Wettbewerb ausgesetzt. Neue Konkurrenz erwächst vor allem aus den Ausschreibungen zur Integrierten Versorgung, der Einbindung von Krankenhausapotheken in die ambulante Versorgung sowie aus dem Arzneimittelversand.
  • Interview: Aufgaben gemeinsam lösenl Immer wieder kommt es auf den Deutschen Apothekertagen zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Krankenhausapotheken und krankenhausversorgenden Apotheken. Vor zwei Jahren in München eskalierte der Streit sogar.
  • Chancen für die ZukunftlDie Apotheker sollten in die Zukunft blicken und sich auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen. Es sei falsch allein sein Schicksal zu beklagen, sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes Hermann S. Keller zur Eröffnung der Expopharm.
  • PZ-Akademie online als PublikumsmagnetlAm PC fortbilden und Punkte für das Zertifikat sammeln: Die PZ-Akademie online stieß bei den Besucherinnen und Besuchern der Expopharm auf großes Interesse.
  • Aponet statt VersandhandellFür einige vom GKV-Modernisierungsgesetz ausgelöste Änderungen suchen die Apotheker noch nach adäquaten Strategien. Beim Versandhandel ist die Antwort bereits gefunden. Ab sofort können Patienten ihre Arzneimittel über das Internetportal der deutschen Apotheker, www.aponet.de, bestellen. lKommentar: Gut vorbereitet
  • Industrie sucht Schulterschluss mit ApothekenlLothar Jenne hatte endlich ein größeres Podium, um Dampf abzulassen. Und das nutzte er auch. Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (Phagro) klagte über die Gesundheitspolitik und das Vorgehen der ABDA, gab sich am Ende aber versöhnlich. lKommentar: Klageweiber chancenlos
  • Hausapotheke stärkt Selbsthilfel„Voneinander lernen, füreinander Verständnis haben“: Repräsentanten der Landesapothekerverbände Baden-Württemberg, Brandenburg und Niedersachsen sowie Vertreter der Selbsthilfegruppen diskutierten über Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
  • Enfuvirtid für HIV-PatientenlDer Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung geht in diesem Jahr an den Wirkstoff Enfuvirtid (Fuzeon®) von Hoffmann-La Roche. Die Jury wählte das Aids-Medikament aus 21 neuen Arzneistoffen aus, erklärte PZ-Chefredakteur Professor Dr. Hartmut Morck bei der Preisverleihung am 20. September in Köln.

 

Außerdem in der Druckausgabe:
275 Delegierte mit 345 Stimmen
Gastkommentar: Preisdumping ist keine Lösung
Gastkommentar: Forum Leipzig initiiert Auftrag

Kommentar: In engen Grenzen
Klares "Ja" zu den Kammern
Neue Chancen für Apotheker
Suche nach neuem Überblick
Literaturlesung am ABDA-Stand
Erwartungen wurden weit übertroffen
Beschlüsse der Hauptversammlung

  Download

  • Hans-Günter Friese
    Grundsatzrede des Präsidenten der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände und der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in der öffentlichen Veranstaltung des Deutschen Apothekertages (pdf-Datei; 83 KB)
  • Professor Dr. Rainer Braun
    Hauptgeschäftsführer der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, der Bundesapothekerkammer und des Deutschen Apothekerverbandes e. V. in der Hauptversammlung der deutschen Apothekerinnen und Apotheker (pdf-Datei; 82 KB)

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