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Metaanalyse
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Helfen Calcium und Vitamin D, Knochenbrüche zu vermeiden?

Die Calcium- plus Vitamin-D-Supplementierung zählt seit Jahrzehnten zu den meistempfohlenen präventivmedizinischen Maßnahmen im Bereich der Muskel-Skelett-Gesundheit. Eine aktuelle Metaanalyse stellt diese Praxis für die Allgemeinbevölkerung nun auf Basis der bislang umfangreichsten Datenlage grundlegend in Frage.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 27.05.2026  09:00 Uhr

Eine Autorengruppe um PharmD Olivier Massé vom Department of Pharmacy, CIUSSS du Nord-de-l’Île-de-Montréal in Kanada, wertete 69 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 153.902 Probandinnen und Probanden aus. Die Teilnehmenden wurden nicht mit Osteoporose-Medikamenten behandelt. Die meisten lebten zu Hause (87 Prozent) und wiesen kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche oder Stürze auf (73 Prozent). Die Pharmazeuten untersuchten, ob die alleinige oder kombinierte Gabe von Calcium und Vitamin D das Fraktur- und Sturzrisiko bei Erwachsenen signifikant reduziert.

Das Ergebnis, das die Forschenden im Fachjournal »British Medical Journal« publizierten, ist überraschend eindeutig: Weder eine Calcium-Monotherapie noch eine Vitamin-D-Monotherapie noch die Kombination beider Supplemente erbrachte klinisch relevante Vorteile hinsichtlich der untersuchten Endpunkte: Gesamtfrakturrisiko, Hüftfrakturrisiko, nicht vertebrale und vertebrale Frakturen sowie Sturzrisiko und Sturzrate.

Leichte Effekte, aber zu wenig absolute Risikoreduktion

Zwar zeigte die kombinierte Supplementierung in drei Metaanalysen statistisch signifikante Effekte, darunter eine Risikoreduktion für Gesamtfrakturen (relatives Risiko 0,91 und eine hohe Evidenzsicherheit), Hüftfrakturen (relatives Risiko 0,84) und nicht vertebrale Frakturen (relatives Risiko 0,87). Die absoluten Risikoreduktionen blieben jedoch durchgehend unterhalb der vorab definierten klinisch bedeutsamen Schwellenwerte.

So ergab sich für Gesamtfrakturen eine absolute Reduktion von lediglich 1 Prozent (Number Needed to Treat, NNT 100), für Hüftfrakturen von 0,3 Prozent (NNT 333) und für nicht vertebrale Frakturen von 1,6 Prozent (NNT 63).

Sensitivitätsanalysen legten zudem nahe, dass diese ohnehin geringen Effekte wesentlich durch eine einzige Hochrisikostudie aus den frühen 1990er-Jahren getrieben wurden. An dieser Untersuchung hatten hochaltrige Frauen in Pflegeheimen und anderen Institutionen mit ausgeprägtem Vitamin-D-Mangel und niedrigem Calciumkonsum teilgenommen, sodass die Ergebnisse dieser Studie kaum auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar sind.

Limitationen und Implikationen

Die Evidenzsicherheit nach GRADE-Kriterien wurde für 88 Prozent der Befunde als moderat bis hoch eingestuft, was die Robustheit der Schlussfolgerungen unterstreicht. Ausgedehnte Subgruppenanalysen nach Alter, Geschlecht, Wohnstatus, Vorerkrankungen, Vitamin-D-Ausgangsspiegel, Dosierung und Studiencharakteristika erbrachten keine konsistenten Hinweise auf Subgruppen, die in relevantem Ausmaß profitierten. Lediglich für Hochrisikopatienten und Bewohner von Pflegeeinrichtungen war die Datenlage zu schwach, um belastbare Aussagen treffen zu können.

Die Autoren räumen zentrale Limitationen ein: Viele eingeschlossene Studien prüften niedrige Vitamin-D-Dosen an Populationen ohne erhöhtes Frakturrisiko und mit normalen Ausgangsspiegeln. Zudem erlaubten die meisten Studien eine ergänzende Supplement-Einnahme außerhalb des Studiensettings, was die Effekte möglicherweise in Richtung Null verzerrt hat.

Bei Osteoporose bleiben Calcium und Vitamin D die Basisbehandlung

Ausdrücklich betonen die Autoren, dass ihre Befunde nicht auf Personen mit Osteoporose unter medikamentöser Therapie übertragbar sind. Da in praktisch allen Osteoporose-Studien Calcium und Vitamin D als Begleitmedikation verabreicht werden, bleibt die Co-Supplementierung in diesem Kontext weiterhin indiziert.

Die klinischen und gesundheitspolitischen Implikationen sind weitreichend. Trotz einer seit Jahren wachsenden Evidenz gegen den Nutzen dieser Supplemente empfehlen etwa 70 Prozent der relevanten Leitlinien nach wie vor Vitamin-D-Supplementierung zur Frakturprävention. In Großbritannien sind die Verordnungskosten von 13 Millionen Pfund im Jahr 2001 auf 111 Millionen Pfund im Jahr 2021 gestiegen.

Die vorliegende Arbeit liefert eine starke evidenzbasierte Grundlage dafür, diese Empfehlungen zu überdenken und Ressourcen auf Interventionen mit belegtem Nutzen wie körperliches Training und auf pharmakologische Osteoporose-Therapien umzulenken.

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