| Theo Dingermann |
| 27.05.2026 09:00 Uhr |
Die Evidenzsicherheit nach GRADE-Kriterien wurde für 88 Prozent der Befunde als moderat bis hoch eingestuft, was die Robustheit der Schlussfolgerungen unterstreicht. Ausgedehnte Subgruppenanalysen nach Alter, Geschlecht, Wohnstatus, Vorerkrankungen, Vitamin-D-Ausgangsspiegel, Dosierung und Studiencharakteristika erbrachten keine konsistenten Hinweise auf Subgruppen, die in relevantem Ausmaß profitierten. Lediglich für Hochrisikopatienten und Bewohner von Pflegeeinrichtungen war die Datenlage zu schwach, um belastbare Aussagen treffen zu können.
Die Autoren räumen zentrale Limitationen ein: Viele eingeschlossene Studien prüften niedrige Vitamin-D-Dosen an Populationen ohne erhöhtes Frakturrisiko und mit normalen Ausgangsspiegeln. Zudem erlaubten die meisten Studien eine ergänzende Supplement-Einnahme außerhalb des Studiensettings, was die Effekte möglicherweise in Richtung Null verzerrt hat.
Ausdrücklich betonen die Autoren, dass ihre Befunde nicht auf Personen mit Osteoporose unter medikamentöser Therapie übertragbar sind. Da in praktisch allen Osteoporose-Studien Calcium und Vitamin D als Begleitmedikation verabreicht werden, bleibt die Co-Supplementierung in diesem Kontext weiterhin indiziert.
Die klinischen und gesundheitspolitischen Implikationen sind weitreichend. Trotz einer seit Jahren wachsenden Evidenz gegen den Nutzen dieser Supplemente empfehlen etwa 70 Prozent der relevanten Leitlinien nach wie vor Vitamin-D-Supplementierung zur Frakturprävention. In Großbritannien sind die Verordnungskosten von 13 Millionen Pfund im Jahr 2001 auf 111 Millionen Pfund im Jahr 2021 gestiegen.
Die vorliegende Arbeit liefert eine starke evidenzbasierte Grundlage dafür, diese Empfehlungen zu überdenken und Ressourcen auf Interventionen mit belegtem Nutzen wie körperliches Training und auf pharmakologische Osteoporose-Therapien umzulenken.