| Cornelia Dölger |
| 08.06.2026 17:15 Uhr |
Die Apothekerschaft »kombiniert die eigene Kompetenzausweitung mit einer Bagatellisierung von Versorgung«, meint der Virchowbund-Bundesvorsitzende Dirk Heinrich. / © Imago / photothek
In ihrem Positionspapier »Die zukünftige Rolle der Apotheke in der Primärversorgung« skizziert die ABDA, wie Apotheken stärker in die gesundheitliche Erstversorgung eingebunden werden sollen. Apotheken sollen demnach mehr Aufklärungs‑ und Präventionsaufgaben übernehmen, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Dazu zählt zudem die eigenverantwortliche Akutversorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln unter bestimmten Bedingungen sowie weitere Leistungen in der Prävention.
Gegen die Pläne der Apotheken, sich auf Basis des Papiers als Bestandteil des aufzubauenden Primärversorgungssystems zu etablieren, laufen die Ärzte Sturm. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Bundesärztekammer (BÄK) machten klar, dass es für sie in dieser Sache keinen »Schulterschluss« mit den Apotheken gebe.
Die Kritik an den Plänen reißt auch heute nicht ab. Der Virchowbund zog nach und warnt in einer Mitteilung vor einem »gefährlichen Spiel mit eigener Deprofessionalisierung«, das die organisierte Apothekerschaft betreibe. »Denn sie kombiniert die eigene Kompetenzausweitung mit einer Bagatellisierung von Versorgung.«
Die Apotheken verließen mit den Plänen ihre Kernaufgabe und griffen mit der Bestimmung von Diagnose und Therapie in den ärztlichen Bereich ein, kritisiert der Bundesvorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich. »Zu jeder Testung gehört eine ärztliche Abklärung, jede Diagnose muss von einem Arzt gestellt werden und auch die Verlaufskontrolle ist eine ärztliche Aufgabe.« Wenn diese Aufgaben des Apotheken zugeschrieben würden, führe dies bei beiden akademischen Heilberufen zu einer Deprofessionaliserung, schlussfolgert er. Denn: »Wer alles machen will, der macht nichts richtig gut.«
Es seien niedergelassene Haus- und Kinderärzte, auch grundversorgende Fachärzte, die eine »hochwertige Primärversorgung« sicherstellten, so Heinrich weiter. »Unsere Kernaufgabe in dieser Debatte ist die Verbesserung der ärztlichen Versorgung durch eine wirksame digitale Ersteinschätzung und effektive Steuerung, die jeden Behandlungsfall schnell der entsprechenden Versorgungsebene zuweist.«
Die Kernaufgabe der Apothekerschaft sei es, »die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln zu gewährleisten«. »Diese Baustelle besteht immer noch und sie erscheint mir momentan die größere für die Apotheker zu sein«, so der Virchowbund-Chef.