| Ev Tebroke |
| 25.06.2026 09:25 Uhr |
Diskutierten darüber, wie Gesundheitsversorgung künftig effizienter werden kann: Gesundheitsökonom Martin Albrecht vom IGES-Institut; vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner; ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas; Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbunds, und Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken. Moderator war Thomas Hommel (v. l. n. r.). / © PZ/Tebroke
Wie kann die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geschlossen werden? Diese Frage stand im Zentrum eines Panels auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.
Angesichts der zum Teil drastischen Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des GKV-Finanzdefizits hagelt es seit Wochen scharfe Kritik von allen Seiten. Dies wurde zuletzt am Montag bei der Anhörung zum GKV-Spargesetz im Bundestag deutlich. Aber welche Perspektiven gibt es für eine künftige leistungstarke Gesundheitsversorgung, wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen? Darüber diskutierten Vertreter von Kassen, Kliniken, Ärzte- und Apothekerschaft am Mittwoch beim Hauptstadtkongress in Berlin.
Grundsätzlich besteht Einigkeit, dass es ohne eine sofortige finanzielle Konsolidierung nicht geht. Zu groß ist das Defizit von allein 19 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Aber wie soll eine gute Gesundheitsversorgung künftig kostensparender möglich sein?
Gesundheitsökonom Martin Albrecht vom IGES-Institut unterstrich, es brauche eine Perspektive für strukturelle Reformen. Die Aussicht auf eine echte Strukturreform würde auch zu einer besseren Akzeptanz dieses Einsparungskraftakts führen.
ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas stellte gleich zu Beginn der Session klar, dass es bei dem Thema nicht nur um Ausgaben gehen dürfe. Zweifelsfrei sei die Stabilisierung der GKV-Finanzen notwendig. Aber man müsse parallel auch über den intelligenten Einsatz von Versorgungsressourcen sprechen. »Die Apotheke vor Ort ist eine solche Versorgungsressource, die richtigerweise verstärkt in Prävention und Früherkennung und auch in der Primärversorgung mitgedacht wird«, so Lucas.
Sie warb dafür, den niedrigschwelligen Zugang der stationären Apotheken zu nutzen, um künftig die Patientenströme effizienter zu steuern. Im Kontext von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz könnte die Apotheke einen Gesundheits-Hub bilden, der zur Koordinierung der Versorgung beiträgt.
Lucas betonte aber ebenso, dass dies nicht in Konkurrenz zu den Ärzten gedacht werden solle. Sondern komplementär. »Die wichtigste Ressource sind die Ärzte, diese wollen wir alle gemeinsam stützen.« Es gehe aber vor allem darum, die Versorgung neu zu organisieren. Und da biete die Apotheke ihre Kompetenz an. »Wir machen da ein Angebot«, so die ABDA-Vizepräsidentin.
Auf Ärzteseite stößt dieses Angebot von mehr Leistungen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbunds, stellte direkt klar, dass er die etwaige Ausweitung von Testungen und Impfungen in Apotheken ablehnt. Er warnte zudem davor, dass das GKV-Spargesetz die Leistungen der Ärzte durch die Aufhebung der Entbudgetierung weniger honoriert. Dies würde dazu führen, dass Fachärzte künftig noch weniger Termine anbieten könnten als jetzt schon. »Wenn sie für die Behandlung von 1000 Patienten dasselbe Honorar erhalten wie für die Behandlung von 1500 Patienten, dann behandeln sie eben 500 weniger.« Um die Versorgung künftig besser und effizienter aufzustellen, sieht Heinrich vor allem auch eine größere Selbstbeteiligung von Patienten als zielführend an.