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GKV-Finanzen
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Bessere Patientensteuerung durch Apotheken – weniger Kosten

Vor-Ort-Apotheken wollen sich verstärkt bei der digitalen Ersteinschätzung einbringen. Dies sei ein wichtiger Schritt für eine bessere Patientensteuerung, so ABDA-Vize Ina Lucas. Ein intelligenter Einsatz von Versorgungsressourcen helfe insgesamt, das GKV-System zu entlasten. Der Fokus der Zukunft müsse auf Prävention und Primärversorgung liegen.
AutorKontaktEv Tebroke
Datum 25.06.2026  09:25 Uhr

Wie kann die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geschlossen werden? Diese Frage stand im Zentrum eines Panels auf dem Hauptstadtkongress in Berlin.

Angesichts der zum Teil drastischen Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des GKV-Finanzdefizits hagelt es seit Wochen scharfe Kritik von allen Seiten. Dies wurde zuletzt am Montag bei der Anhörung  zum GKV-Spargesetz im Bundestag deutlich. Aber welche Perspektiven gibt es für eine künftige leistungstarke Gesundheitsversorgung, wenn alle den Gürtel enger schnallen müssen? Darüber diskutierten Vertreter von Kassen, Kliniken, Ärzte- und Apothekerschaft am Mittwoch beim Hauptstadtkongress in Berlin.

Grundsätzlich besteht Einigkeit, dass es ohne eine sofortige finanzielle Konsolidierung nicht geht. Zu groß ist das Defizit von allein 19 Milliarden Euro im nächsten Jahr. Aber wie soll eine gute Gesundheitsversorgung künftig kostensparender möglich sein?

Gesundheitsökonom Martin Albrecht vom IGES-Institut unterstrich, es brauche eine Perspektive für strukturelle Reformen. Die Aussicht auf eine echte Strukturreform würde auch zu einer besseren Akzeptanz dieses Einsparungskraftakts führen.

Lucas: »Intelligenter Einsatz von Versorgungsressourcen«

ABDA-Vizepräsidentin Ina Lucas stellte gleich zu Beginn der Session klar, dass es bei dem Thema nicht nur um Ausgaben gehen dürfe. Zweifelsfrei sei die Stabilisierung der GKV-Finanzen notwendig. Aber man müsse parallel auch über den intelligenten Einsatz von Versorgungsressourcen sprechen. »Die Apotheke vor Ort ist eine solche Versorgungsressource, die richtigerweise verstärkt in Prävention und Früherkennung und auch in der Primärversorgung mitgedacht wird«, so Lucas.

Sie warb dafür, den niedrigschwelligen Zugang der stationären Apotheken zu nutzen, um künftig die Patientenströme effizienter zu steuern. Im Kontext von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz könnte die Apotheke einen Gesundheits-Hub bilden, der zur Koordinierung der Versorgung beiträgt.

Lucas betonte aber ebenso, dass dies nicht in Konkurrenz zu den Ärzten gedacht werden solle. Sondern komplementär. »Die wichtigste Ressource sind die Ärzte, diese wollen wir alle gemeinsam stützen.« Es gehe aber vor allem darum, die Versorgung neu zu organisieren. Und da biete die Apotheke ihre Kompetenz an. »Wir machen da ein Angebot«, so die ABDA-Vizepräsidentin.

Auf Ärzteseite stößt dieses Angebot von mehr Leistungen nicht unbedingt auf Gegenliebe. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbunds, stellte direkt klar, dass er die etwaige Ausweitung von Testungen und Impfungen in Apotheken ablehnt. Er warnte zudem davor, dass das GKV-Spargesetz die Leistungen der Ärzte durch die Aufhebung der Entbudgetierung weniger honoriert. Dies würde dazu führen, dass Fachärzte künftig noch weniger Termine anbieten könnten als jetzt schon. »Wenn sie für die Behandlung von 1000 Patienten dasselbe Honorar erhalten wie für die Behandlung von 1500 Patienten, dann behandeln sie eben 500 weniger.« Um die Versorgung künftig besser und effizienter aufzustellen, sieht Heinrich vor allem auch eine größere Selbstbeteiligung von Patienten als zielführend an.

Elsner: Es braucht Andockpunkte für die Ersteinschätzung

Davon hält Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), nicht viel. Mehr Eigenbeteiligung sehe sie eher am Ende einer besseren Steuerung. »Wir sollten es erst mal mit einer vernünftigen Patientensteuerung versuchen. Auch mit neuen Elementen wie einer digitalen Ersteinschätzung«, sagte sie. Es gehe um eine vernünftige Einordnung, ob ein Arztbesuch überhaupt nötig ist. Dafür brauche es Andockpunkte.

Die Apotheke könnte laut Lucas einer davon sein. Sie unterstrich aber, eine solche digitale Ersteinschätzung müsse für alle Patienten verpflichtend sein.

Auf Klinikseite betonte Thomas Bublitz, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken (BDPK), dass die Politik nicht nur die Kosten senken dürfe; in den Kliniken führe dies etwa zu rigidem Personalabbau, sondern sie müsse auch die Folgen bedenken.

Darauf zielt auch Ärztevertreter Heinrich ab. Es gelte, ehrlich zu kommunizieren, welche Einschnitte das Sparprogramm für die Versorgung bedeutet. »Wir können keine Reformen machen, ohne den Patienten etwas zuzumuten. Das müssen wir deutlich kommunizieren.«

Aus Sicht von Lucas sind Patienten durchaus bereit, Einschnitte zu tolerieren. Es gelte jedoch, diese »Zumutungen« gut zu moderieren. Patienten müssten verstehen, dass sie, wenn sie wirklich Bedarf haben, auch schnell und gut versorgt werden. Das gelte es klug zu organisieren. »Hand in Hand: Es geht um gute Koordination, Begleitung, Einordnung. Wir wollen keine ärztlichen Tätigkeiten übernehmen.«

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