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Pilotprojekt zum E-Rezept

Hausärzte kooperieren mit Doc Morris

Um die digitale Rezeptübermittlung zu erproben, starten Hausärzte in der Region Westfalen-Lippe ein Pilotprojekt zum E-Rezept. Dazu kooperieren sie mit der niederländischen Versandapotheke Doc Morris. Das gaben die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft in Köln (HÄVG) und der Versender heute bekannt.
Ev Tebroke
23.10.2019
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Um beim Thema E-Rezept weiter Boden zu gewinnen, setzt Doc Morris auf Allianzen mit der Ärzteschaft. Nachdem der Versender diesbezüglich bereits im Mai dieses Jahres seine Zusammenarbeit mit dem Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) verkündet hatte, ist er nun auch Projektpartner der Hausärzte in Westfalen-Lippe. Selbsterklärtes Ziel des Projekts ist es demnach, Ärzten die digitale Verordnung zu erleichtern, Patienten die Handhabe zu erleichtern und bei Apotheken eine breite Akzeptanz zu erreichen. Neben Doc Morris sind mehrere stationäre Apotheken im Boot, um den elektronischen Verordnungsprozess durchzuspielen und zu testen.

»Mithilfe des gemeinsamen Pilotprojekts werden wir Technologie und Prozesse so gestalten können, dass diese der Versorgungsrealität in den hausärztlichen Praxen auch wirklich gerecht werden«, sagt Axel Wehmeier, Vorstandsvorsitzender der HÄVG, einer Dienstleistungsgesellschaft des Deutschen Hausärzteverbands und seiner Landesverbände.

Übermittlung per QR-Rezeptcode

Das Projekt soll ab November 2019 in der Region Westfalen-Lippe starten. Über einen Zeitraum von sechs Monaten soll eine »begrenzte Zahl von Hausärzten die Möglichkeit haben, Arzneimittel unter Nutzung einer qualifizierten elektronischen Signatur und der praxiserprobten IT-Infrastruktur der eHealth-Tec GmbH digital zu verordnen«, heißt es. Gesetzlich versicherte Patienten, die an dem Projekt teilnehmen möchten, können dann ihr Rezept elektronisch abrufen. Dazu erhalten sie einen QR-Rezeptcode, den sie entweder per App, E-Mail oder per Papierausdruck bei einer am Projekt beteiligten Apotheke einlösen können.

Die Vorsitzende des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe, Anke Richter-Scheer, betonte, für die Hausärzte sei wichtig, dass durch das E-Rezept kein zusätzlicher Aufwand entstehe, sondern der Versorgungsalltag erleichtert und die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheken verbessert werde. Das nütze nicht nur den Ärzten, sondern vor allen Dingen auch den Patienten.

Nach Angaben der Projektbeteiligten soll in einer zweiten Projektphase auch ein Prüfmodul zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) eingebunden werden. Die Verknüpfung der AMTS-Datenbank mit dem E-Rezept soll die Zahl unerwünschter Arzneimittelereignisse vermindern und die Effizienz in der Arzneimitteltherapie steigern und so die Versorgung der Patienten verbessern.

Das Hausärzte-Projekt geht parallel zum baden-württembergischen Modellprojekt Gerda an den Start, dem »Geschützten E-Rezept Dienst der Apotheker«, das im Rahmen des Telemedizin-Projekts DocDirekt ebenfalls am 1. November in den Regionen Stuttgart und Tuttlingen anläuft. Dort können nach vorheriger Anmeldung alle Apotheken teilnehmen. DocDirekt-Patienten können sich derzeit bei rund 40 Ärzten telemedizinisch behandeln lassen.

DAV bleibt gelassen

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) gibt sich angesichts der neuen Projektallianz in Westfalen.Lippe gelassen. »Derzeit gibt es viele Versuchsballons zum E-Rezept, bei denen Start-Ups und Großkonzerne ihre Zukunftsvisionen und Marktpositionen unter Beweis stellen wollen«, so ein DAV-Sprecher. Aus Sicht der Apothekerschaft sei jedoch entscheidend, dass das E-Rezept den Gematik-Spezifikationen entspricht und in die Telematikinfrastruktur eingebunden ist. »Für die Patienten muss die freie Apothekenwahl erhalten bleiben, und es darf auch kein unüberschaubarer Flickenteppich entstehen, wo jeder Arzt, jede Krankenkasse und jede Apotheke dem Patienten eine eigene technische Lösung aufdrängt.«

Der Deutsche Apothekerverband entwickelt nach eigenen Angaben deshalb mit Hochdruck eine Patienten-App für das E-Rezept, die bundeseinheitlich, kostenfrei und leicht bedienbar sein, aber trotzdem allen Anforderungen an modernen Datenschutz und –sicherheit genügen soll.

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