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Gerda-Projekt

Countdown für das E-Rezept

Der Countdown für den »Geschützten E-Rezept Dienst der Apotheker« (Gerda) läuft. Ab 1. November startet das Modellprojekt in den Pilotregionen Stuttgart und Tuttlingen. Ab der 42. Kalenderwoche können sich die Apotheken anmelden bei Gerda.
Brigitte M. Gensthaler
01.10.2019
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Im Ländle sind die Apotheker stolz auf ihr E-Rezept-Projekt. »Wir setzen uns an die Spitze der Bewegung«, sagte Ina Hofferberth, Geschäftsführerin des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg, bei einem Info-Abend, zu dem die Landesapothekerkammer und der Verband am 30. September nach Stuttgart eingeladen hatten.

Ab 1. November können Patienten, die sich im Pilotprojekt docdirekt telemedizinisch behandeln lassen, auch für den GKV-Bereich ein E-Rezept bekommen. Die elektronische Verordnung wird in Apotheken im Landkreis Tuttlingen sowie der Region Stuttgart getestet. Dafür haben die Apotheker zusammen mit Partnern den Fachdienst Gerda entwickelt. Dieses System sei »grundsätzlich diskriminierungsfrei«, sodass jede Apotheke und jedes Unternehmen teilnehmen kann, betonte Christian Krüger, Geschäftsführer der Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA), in Stuttgart. Die Ärzteschaft sei von Beginn an eingebunden gewesen, was für übergreifende Akzeptanz sorge. Essenziell: die freie Arzt- und Apothekenwahl des Patienten ist gewahrt. Das Projekt wird vom Sozialministerium Baden-Württemberg mit 1 Million Euro gefördert.

In Kürze ist Anmeldung möglich

Das Besondere am Gerda-Fachdienst: Der elektronische Weg funktioniert vom Arzt über den Patienten und die Apotheke bis hin zur elektronischen Abrechnung über das Rechenzentrum mit den Krankenkassen. Während die Teleärzte ihren elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) zum Signieren des Rezepts nutzen und damit eine sogenannte rechnungsbegründende Unterlage erzeugen, nutzen die Apotheken im Modellprojekt das N-Ident-System. Sie brauchen also keinen Konnektor und Heilberufsausweis.

Über N-Ident nehmen alle Apotheken zwar bereits am Securpharm-Projekt teil, jedoch müssen sie sich für das Gerda-Modellprojekt aktiv anmelden und registrieren lassen. Wichtig sei es, den Anmeldeprozess bis zum Ende durchzuarbeiten; dabei müssen zum Beispiel diverse Daten wie Öffnungszeiten, Botendienst sowie Apothekenrechenzentrum und Softwarehaus, mit denen eine Vertragsbeziehung besteht, zusätzlich angegeben werden, erklärte Krüger. Der Beitritt zu Gerda erfolge papierlos. »Das Onboarding der Apotheken startet in Kalenderwoche 42«, so der NGDA-Chef.

Im Pilotprojekt ist nur die Verordnung von Standard-Arzneimitteln möglich. Das bedeutet, dass zum Beispiel keine Entlass-, Betäubungsmittel- oder T-Rezepte elektronisch ausgestellt und übermittelt werden.

Es sei sichergestellt, dass der elektronische Verordnungsdatensatz des Arztes nachträglich nicht mehr veränderbar ist und dass das E-Rezept nicht mehrfach eingelöst werden kann, erläuterte Frank Dambacher, Syndikusrechtsanwalt vom LAV. Bei der Rezeptbearbeitung erstellt die Apotheke einen elektronischen Dispensierdatensatz, der alle Angaben enthält, die auch auf dem Papierrezept vermerkt werden. Dieser wird zusammen mit dem E-Rezept zur Abrechnung eingereicht. Laut Dambacher wollen die meisten Kassen am Vertrag teilnehmen oder haben »starkes Interesse« daran.

Derzeit 40 Teleärzte bei Docdirekt

Das Modellprojekt Gerda wird nur im Docdirect-Projekt, also mit Teleärzten und in der Stadt Stuttgart und in Tuttlingen laufen. Teilnehmen können nur Apotheken, die hier ihren Sitz haben. »Je besser dies klappt, umso schneller weiten wir aus«, versicherte Hofferberth. In Baden-Württemberg gebe es aktuell 40 Teleärzte, die über die docdirect-App erreichbar sind. Kammer und Verband erwarten, dass die Zahl der E-Rezepte mit Inbetriebnahme des Gerda-Servers kontinuierlich ansteigen wird.

In Vorbereitung ist die Website www.mein-e-rezept.de mit ausführlichen Informationen für Ärzte, Apotheken und Patienten. Hier soll es unter anderem Erklärvideos geben.

Hofferberth appellierte dringend an die Apotheker, sich bei Gerda anzumelden. Damit setze der Berufsstand ein Signal: Wir sind digital dabei. Dennoch werde es für sehr lange Zeit eine Parallelwelt von digitalem und Papierrezept geben.

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