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E-Rezept

Startschuss für Gerda

Das E-Rezept-Projekt Gerda (Geschützter E-Rezept-Dienst der Apotheken) ist in den Pilotregionen Stuttgart und Tuttlingen gestartet. Ab sofort können Patienten, die telemedizinisch behandelt werden, per App auch eine elektronische Verordnung erhalten.
Verena Schmidt
07.11.2019
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Ärzte, die am telemedizinischen Pilotprojekt »docdirekt« der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg teilnehmen, sind ab sofort in der Lage, gesetzlich versicherten Patienten ein E-Rezept auszustellen. Über den Fachdienst Gerda, einen digitalen Rezeptspeicher, schickt der Arzt das E-Rezept verschlüsselt per App an den Patienten. Dieser kann es ebenfalls über die App gleich an die Apotheke seiner Wahl weiterleiten.

»Mit Gerda haben wir hier im Land einen neuen Meilenstein erreicht«, sagte Manne Lucha, Minister für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, heute bei der Landespressekonferenz im Landtag in Stuttgart. »Mit dem Ansatz der Fernbehandlung erhoffen wir uns insbesondere für den ländlichen Raum Vorteile bei der medizinischen Versorgung«, führte er aus.

Die Landesapothekerkammer und der Landesapothekerverband Baden-Württemberg haben die Grundidee von Gerda konzipiert und gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg entwickelt. Für die technische Umsetzung ist die Netzgesellschaft Deutscher Apotheker (NGDA) verantwortlich. Das Land Baden-Württemberg hat das Projekt mit einer Million Euro gefördert.

Chance für starke Vor-Ort-Apotheke

Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer, sieht das E-Rezept als Chance, die flächendeckende Versorgung durch die Vor-Ort-Apotheken zu stärken und die örtlichen Strukturen an der Digitalisierung des Gesundheitswesens teilhaben zu lassen. »Wichtig war uns dabei immer, dass der Patient selbst entscheidet, was mit seinem Rezept passiert, dass er also die freie Wahl hat, in welcher Apotheke er es einlösen will« , betonte er.

Der Arzt stellt das E-Rezept aus und legt es auf dem Gerda-Server ab. Der Patient erhält das Rezept verschlüsselt als 2D-Code über die docdirekt-App. Er kann sich in der App das Rezept ansehen und auch eine teilnehmende Apotheke in seiner Nähe suchen. Gerda sendet das Rezept dann wieder verschlüsselt an die ausgewählte Apotheke unter Nutzung des N-Ident-Systems. Eine Chatfunktion ermöglicht es der Apotheke, direkt Kontakt mit dem Patienten aufzunehmen. Sie kann ihm dann beispielsweise mitteilen, wann die Medikamente verfügbar sind oder ob sie per Botendienst geliefert werden können.

Hat die Apotheke das Rezept beliefert, kann sie ebenfalls über Gerda verschlüsselt abrechnen und alle nötigen Informationen digital an das Rechenzentrum übermitteln. Der ganze Vorgang von der Rezeptausstellung, -belieferung und -abrechnung soll so sicherer werden, denn Medienbrüche – von digital zu Papier und umgekehrt – werden zukünftig vermieden und so Fehlerquellen minimiert.

Zehn Apotheken startklar

»Zehn Apotheken können ab heute E-Rezepte verarbeiten« , berichtete Tatjana Zambo, Vizepräsidentin des Landesapothekerverbands. Insgesamt hätten sich bisher 31 Apotheken in Stuttgart und fünf im Landkreis Tuttlingen angemeldet. Sie müssten zum Teil nun noch über die Software an den Server angebunden werden. Am Telemedizinprojekt docdirekt nehmen 40 Ärzte aus den beiden Modellregionen teil.

»Wir haben uns mit der Entwicklung des Gerda-Dienstes an die Spitze der Bewegung gesetzt, weil wir nicht wollen, dass die Ausstellung und der Transport von E-Rezepten kommerzielle Interessen bedient« , so Zambo. Geht es nach den Baden-Württembergern, soll Gerda nicht auf die Modellregionen beschränkt bleiben und langfristig in ganz Deutschland zum Einsatz kommen. »Gerda hat das Potenzial, Vorlage für eine bundeseinheitliche Lösung zu sein« , bekräftigte Hanke.

Auf der Website www.mein-e-rezept.de finden Apotheken, Ärzte und Patienten weitere Informationen zum Modellprojekt, unter anderem ein detailliertes Erklärvideo.

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