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Wirtschaftsseminar MV

Gematik: Apotheken bis Ende Juni E-Rezept-ready

Zwei Drittel aller Kassen haben E-Rezept erhalten

Von den Software-Herstellern hatten bereits Noventi und Pharmatechnik ihre Systeme bundesweit ausgerollt. CGM Lauer soll diesen Monat folgen und ADG sei ebenfalls aktuell beim Roll-Out. Neumann geht deshalb davon aus, dass zum Ende dieses Quartals, also bis Ende Juni, die entsprechende Abdeckung der Apotheken bei 90 bis 100 Prozent liegen wird.

Weiter hätten inzwischen zwei Drittel aller Krankenkassen bereits E-Rezepte erhalten, bei den Ärzten sind vor allem die Zahnarztpraxen Vorreiter. 22.000 Zahnarztpraxen befinden sich derzeit in der Lage, E-Rezepte zu erstellen. Bei den anderen Praxen seien es rund 10 bis 20 Prozent, genauer könne es die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) derzeit nicht eingrenzen, betonte Neumann. Erst kürzlich sprach er sich auf der Digital-Health-Messe »DMEA«  dafür aus, dass Ärzte und Apotheker beim Thema E-Rezept gut miteinander sprechen sollten. »Das E-Rezept muss man mal ausprobieren. Wie funktioniert das mit der Signatur? Wie komfortabel lässt sich das in den Arbeitsalltag integrieren?«, sagte er dort. Die Gematik fokussiere diesen Dialog zwischen Arzt und Apotheker und empfehle ein Test-E-Rezept in lokalem Umfeld. 

Neumann kündigt außerdem beim Wirtschaftsseminar an, dass in der kommenden Woche die Gesellschafterversammlung der Gematik tage. Diese werde unter anderem die zeitliche Abfolge der E-Rezept-Einführung beraten und festlegen, so Neumann

Frank Diener (Treuhand) gibt Praxis-Tipps

Auch Frank Diener von der Treuhand Hannover richtete den Fokus in seinem Bericht auf das E-Rezept. Der Betriebswirt hatte einige konkrete Tipps für die Apotheker parat: Dabei unterschied er zwischen Pflicht und Kür, also Aufgaben, die Apotheker in seinen Augen unbedingt angehen müssten, sowie Vorhaben, die sie optional umsetzen könnten. Hinsichtlich des E-Rezepts empfahl Diener, dass jeder Apotheker die Abläufe bezüglich des E-Rezepts verstehen muss. Zudem sollten Apotheker auch das gesamte Personal in der Apotheke diesbezüglich schulen, so dass jeder das digitale Rezept auch am HV-Tisch annehmen könne. Weiter rät er, dass sich Apotheken auch als Testapotheke bei der Gematik akkreditieren lassen könnten.

Zu den Kür-Aufgaben zählte Diener, die Apotheken-Webseite so zu gestalten, dass die Kunden auch bei der Apotheke vor Ort landen. Auch lohne es sich, sich bereits jetzt Gedanken zu machen, wie die Apotheke ihren Patienten die Funktionsweise des E-Rezepts sowie die dazugehörenden Apps erklären wolle. Hier könnte die Apotheke einen Tisch in der Offizin bereitstellen und etwa einen Schüler entsprechend schulen, der alle Fragen der Kunden beantworten kann. Auch ein Portfolio-Check sei eine optionale Aufgabe, die sich lohnen könnte. So könnte die Einführung eines Botendienstes etwa gut sein, um in den entsprechenden Apps gelistet zu sein und so attraktiver für die Patienten zu werden. Wer heute etwas bestellt, erwarte außerdem eine direkte Bestellbestätigung, die bestätigt, dass der Auftrag, also das E-Rezept, bearbeitet wird. Apotheker müssten sich jetzt Gedanken darüber machen, wie so etwas in der Apotheke umgesetzt ist. »Wenn sich das Kundenverhalten, dann sind auch sie gefordert und müssen sich anpassen«, mahnte Diener.

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