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Österreich
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Evidenz zu Point-of-Care-Tests in Apotheken wächst

Seit 2024 dürfen Apotheken in Österreich Point-of-Care-Tests anbieten. In mehreren Bundesländern wurden bereits Testaktionen durchgeführt und evaluiert – der Nutzen konnte gezeigt werden. Jetzt hofft die Apothekerkammer auf eine baldige Vergütung durch die Krankenkassen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 18.02.2026  18:00 Uhr

Blutwerte und Test auf Virusinfektionen

Apotheker dürfen nun nach entsprechender Schulung Kapillarblut entnehmen und Nasen- und Rachenabstriche für die Probengewinnung durchführen, zum Beispiel zur Bestimmung des Langzeit-Blutzuckerwerts HbA1c, eines Lipidprofils, des Vitamin-D-Spiegels oder auch Test auf Infektionen wie Covid-19, Influenza oder RSV. 

Zu den Vorteilen von PoCT gehören laut Deibl eine schnelle Durchführung mit zeitnahem Ergebnis (meist innerhalb von fünf bis 15 Minuten), die Nutzung meist vollautomatisierter Geräte mit einfacher Bedienung und die Bindung an die Apotheke vor Ort.

Zu den Nachteilen und Limitationen zählten unter anderem weniger genaue Ergebnisse als bei Laboranalysen (Sensivitivät und Spezifität ist abhängig vom Gerät) und das es derzeit kein optimiertes Testsystem für Apotheken gebe. Die Anschaffungskosten lägen bei 1000 bis 6000 Euro, hinzukommen 2 bis 30 Euro für die Testkits. Die Kammer stellt über ein eigenes Portal Hilfsmaterial bereit, darunter eine Liste empfohlener PoCT-Geräte, SOP, Checklisten, Hygienepläne und ein Musterformular zur Meldung an die Bezirksverwaltungsbehörde.

Screening in Salzburg: Jeder Vierte hat deutlichen Vitamin-D-Mangel

Bislang werden die PoCT in den Apotheken jedoch in der Regel nicht durch die Krankenkassen übernommen, sondern sind eine Selbstzahlerleistung. Erst im April 2025 hatte die Österreichische Gesundheitskasse die Kostenübernahme von Vitamin-D-Bestimmungen auf bestimmte Patientengruppen beschränkt, zum Beispiel bei Osteoporose, chronischer Niereninsuffizienz, morbider Adipositas oder unter bestimmter Medikation wie Steroiden und Antiepileptika sowie für dauerhaft immobile Patienten mit permanentem Lichtmangel.

Ein Jahr zuvor hatten die Apotheken jedoch mit einer Vitamin-D-Testaktion im Bundesland Salzburg gezeigt, wie häufig ein unentdeckter Vitamin-D-Mangel besteht. Innerhalb von zwei Wochen wurden 2770 Personen in 62 Apotheken getestet. 56,2 Prozent hatten einen Spiegel unter 30 ng/ml, 25,2 Prozent zeigten sogar eine schwere Defizienz, berichtete Deibl. Fast die Hälfte der Teilnehmenden habe sich zum ersten Mal testen lassen. Die meisten waren aktiv in den Apotheken angesprochen wurden, andere hatten über Freunde und Familie oder die Medien über die Aktion erfahren und waren überrascht, dass solche Tests nun auch in Apotheken möglich sind. Die Kundenzufriedenheit war mit über 90 Prozent sehr hoch.

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