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Österreich
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Evidenz zu Point-of-Care-Tests in Apotheken wächst

Seit 2024 dürfen Apotheken in Österreich Point-of-Care-Tests anbieten. In mehreren Bundesländern wurden bereits Testaktionen durchgeführt und evaluiert – der Nutzen konnte gezeigt werden. Jetzt hofft die Apothekerkammer auf eine baldige Vergütung durch die Krankenkassen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 18.02.2026  18:00 Uhr

Diabetes: Von der Zufallsdiagnose zum Screening

Anhand mehrerer Aktionen zur HbA1c-Bestimmung konnte gezeigt werden, wie nützlich ein flächendeckendes Screeningangebot in Apotheken sein könnte. Diabetes sei noch allzu häufig eine Zufallsdiagnose. Die Österreichische Diabetes-Gesellschaft geht davon aus, dass bei rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Prädiabetes vorliege – und jeder fünfte Mensch mit festem Diabetes noch nichts von seiner Erkrankung weiß. Insbesondere ein unbehandelter Diabetes geht jedoch mit hohen Kosten für die Folgeerkrankungen einher. Die frühzeitige Erkennung kann helfen, bei diesen Kosten zu sparen. 

Die hohe Dunkelziffer bestätigen gleich mehrere Screening-Aktionen. Von 445 Teilnehmern in Wien hatten 21 Prozent einen erhöhten HbA1c. Der Anteil der Personen über 60 Jahren lag mit 34 Prozent relativ niedrig und es wurde eine Testgebühr in Höhe von 10 Euro genommen. Bei auffälligen Werten wurden die Betroffenen Arzt verwiesen, was laut der Erhebung auch 30 bis 40 Prozent gemacht hätten.

Kärnten: Jeder Dritte hat zu hohen Langzeitblutzucker

Bei einer Aktion in der Steiermark mit 104 teilnehmenden Apotheken ließen sich 1526 Personen gegen eine Gebühr von 9,50 Euro testen. Hier lagen 19 Prozent im prädiabetischen und 7 Prozent im diabetischen Bereich.

Noch deutlicher wurde der Nutzen in Kärnten: Es wurden 5584 Personen in 60 Apotheken kostenlos getestet. Hier lagen sogar 29 Prozent im prädiabetischen und 5 Prozent im diabetischen Bereich. Der Anteil der Personen über 60 Jahren lag mit 72 Prozent deutlich höher als in Wien, was die höhere Prävalenz erklären könnte.

Für Kärnten wurde auch ein sogenanntes Budget Impact Modell errechnet. Demnach könnten dem Gesundheitssystem in Kärnten über fünf Jahre insgesamt 6,76 Millionen Euro an Kosten durch ein niederschwelliges HbA1c-Screening gespart werden.

Die Apothekerkammer hofft, dass diese Daten nun die Krankenkassen und die Politik überzeugen, die Kosten zu übernehmen. Mit den Privatversicherern sei man bereits im Gespräch, berichtete Deibl. An den Apotheken hänge es nicht. Hier sei eine große Bereitschaft, sich fortzubilden und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Apotheken seien der Schlüssel zu einer gerechten österreichweiten Harmonisierung präventiver und adhärenzfördernden Leistungen, unabhängig von Wohnort, Alter und Einkommen.

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