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Notfälle
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Erste Hilfe bei Babys und Kindern

Stürze, akute Vergiftungen, lebens­bedrohliche Unfälle: Geraten Säuglinge oder Kinder in Not, ­wollen Erwachsene gern helfen. Häufig sind sie jedoch unsicher, ob falsches Handeln eventuell mehr schadet als nützt. Doch für Jung oder Alt gilt: Rasche Hilfe kann Leben retten. Die Apotheke ist oft erste Anlaufstelle bei Notfällen im Kleinkindalter.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 24.11.2019  08:00 Uhr

Stabile Seitenlage beim Kind

Bewusstlose Säuglinge oder Kinder, die noch selbstständig atmen, sind in die stabile Seitenlage zu bringen, damit die Atemwege offen bleiben. Der Säugling liegt komplett auf dem Bauch, das ­Gesicht zur Seite mit nach hinten überstreckt positioniertem Kopf.

Ein Kleinkind sollte der betreuenden Person zugewandt auf die Seite gerollt werden. Das obere Bein ist rechtwinklig angezogen, das untere ausgestreckt. Dabei liegt der Kopf leicht nach hinten überstreckt, damit Blut oder Erbrochenes nicht in die Atemwege fließen kann. Die Atmung ist ständig zu kon­trollieren.

Vorsicht Erstickungsgefahr

Kinder im Alter von einem bis vier Jahren stecken alles in den Mund. Dabei können sie Fremdkörper auch verschlucken. Kleinstgegenstände werden problemlos über den Magen-Darm-Kanal ausgeschieden. Sind sich Eltern über die Gefährlichkeit der verschluckten Gegenstände unsicher, hilft rund um die Uhr die Informationszentrale gegen Vergiftungen.

Gelangen allerdings Gegenstände in Luftröhre oder Atemwege (Fremdkörperaspiration), droht die teilweise oder komplette Verlegung der Atemwege mit Erstickungsgefahr. Bei teilweise verlegten Atemwegen können die Ärzte in der Klinik aspirierte Fremdkörper bei einer Lungenspiegelung wieder herausholen. Wichtig ist, Ruhe zu bewahren.

Hustet das Kind effektiv, soll es weiter husten und dabei den Oberkörper möglichst vornüber neigen. Effektiver Husten äußert sich durch Schreien, Weinen, lautes Husten, Einatmen vor dem Husten; das Kind ist wach und ansprechbar. Neben der Ermutigung zum Husten ist keine weitere Unterstützung notwendig.

Reagiert das Kind mit Atemnot, ist jedoch rasche Hilfe notwendig. Dabei geht man je nach Alter des Kindes unterschiedlich vor. Säuglinge werden leicht schräg nach unten in Bauchlage gehalten; eine Hand stützt den Kopf im Kieferbereich, der Mund ist offen. Mit der anderen Hand gibt man fünf kräftige Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Löst sich die Verlegung der Atemwege hierdurch nicht, wird der Säugling auf den Rücken gedreht, mit dem Kopf leicht schräg nach unten. Die eine Hand hält Rücken und Hinterkopf; mit der anderen Hand führt man Thoraxkompressionen wie bei einer Reanimation durch, allerdings kräftiger und langsamer. Der entstehende Druck soll den Fremdkörper lösen. Notarzt verständigen! Ist das Kind bewusstlos, wird es in Rückenlage gebracht, beatmet oder wiederbelebt.

Kinder ab einem Jahr werden mit vornübergebeugtem Oberkörper gehalten; die fünf kräftigen Schläge erfolgen auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Löst sich der Fremdkörper dadurch nicht, ist der Heimlich-Handgriff (Heimlich-Manöver) anzuwenden. Das Kind sitzt in vornübergebeugter Haltung und mit geöffnetem Mund auf dem Schoß des Erwachsenen. Dessen geballte Faust liegt zwischen Bauchnabel und Unterrand des Brustbeins des Kindes. Nun wird die Faust mit der anderen Hand umfasst und kräftig nach innen oben gezogen. Diese Kompression fünfmal wiederholen.

Vorsicht: Bei Kindern unter einem Jahr besteht hierbei die Gefahr einer Leberverletzung. Daher ist die Altersgrenze einzuhalten. Löst sich der Fremdkörper, ist anschließend dennoch immer eine Kontrolle beim Kinderarzt notwendig.

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