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Notfälle
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Erste Hilfe bei Babys und Kindern

Stürze, akute Vergiftungen, lebens­bedrohliche Unfälle: Geraten Säuglinge oder Kinder in Not, ­wollen Erwachsene gern helfen. Häufig sind sie jedoch unsicher, ob falsches Handeln eventuell mehr schadet als nützt. Doch für Jung oder Alt gilt: Rasche Hilfe kann Leben retten. Die Apotheke ist oft erste Anlaufstelle bei Notfällen im Kleinkindalter.
AutorKontaktBarbara Staufenbiel
Datum 24.11.2019  08:00 Uhr

Erste Hilfe bei drohendem Ertrinken

Kleinen Kindern und Säuglingen macht das Plantschen im und mit Wasser viel Freude. Doch Ertrinken ist selbst in der Badewanne möglich. Ungesicherte Gartenteiche, Swimmingpools, Regentonnen, Wassereimer oder sogar Pfützen können für Kleinkinder lebensgefährlich werden.

Kleinkinder und Säuglinge ertrinken »leise«, das heißt sie rufen nicht um Hilfe und machen sich auch sonst nicht lautstark bemerkbar. Sie fallen mit dem Gesicht nach vorn ins Wasser und können ihre Lage nicht verändern, da ihre motorischen Fähigkeiten noch nicht hinreichend entwickelt sind. Zusätzlich kann es beim Eintauchen in das Wasser zu Verkrampfungen kommen. Atmen und Schreien sind dann unmöglich.

Erste-Hilfe-Maßnahme: Reanima­tion mit Atemspende und Herzdruckmassage. Auf keinen Fall sollten Helfer versuchen, eingeatmetes Wasser aus den Lungen zu entfernen.

Verdacht auf Vergiftungen

Blüten oder Früchte von Garten-, Zimmer- oder Balkonpflanzen wecken die Neugier von Kindern. Der häufig unangenehme Geschmack verhindert meist die Aufnahme größerer Mengen, jedoch lässt sich diese Menge schlecht bestimmen. Giftinformationszentren, Arzt oder Apotheker können dazu beitragen, die Giftpflanze zu bestimmen und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen (Kasten). Wichtig für Giftnotruf und Rettungsdienst sind die »W-Informationen«:

  • Wer ist betroffen (Alter, Geschlecht, ungefähres Körpergewicht)?
  • Was wurde aufgenommen?
  • Wann erfolgte die Einnahme oder Einwirkung?
  • Wie wurde das Gift aufgenommen?
  • Wie viel wurde aufgenommen?
  • Zusätzliche Angaben: Wie geht es dem Kind? Wo hat sich der Unfall ereignet? Wurden bereits Maßnahmen unternommen, wenn ja welche?

Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren, Pflanzenteile aus dem Mund zu entfernen und den Mund mit Wasser auszuspülen. Das Kind kann Wasser, Tee oder Saft in kleinen Mengen trinken. Medizinische Kohle ist nach ärztlicher Rücksprache sinnvoll, um die Aufnahme von Giftstoffen zu verringern. Milch ist ­ungeeignet, da sie die Resorption lipophiler Gifte fördert.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt kein Erbrechen mit dem Finger oder Salzwasser auslösen! Bei Bewusstlosigkeit sofort den Notarzt verständigen! Einem bewusstlosen Kind keinesfalls Flüssigkeit eingeben.

Diese Maßnahmen gelten ebenso bei Verdacht auf eine Vergiftung durch Putz- oder Arzneimittel, Zahnpasta oder Kosmetika. Benötigen die Eltern regelmäßig Medikamente, dürfen diese nie für ein Kind erreichbar herum­liegen. Das Apothekenpersonal sollte ­Eltern mit Kleinkindern immer wieder darauf hinweisen, Arzneimittel grundsätzlich kindersicher zu lagern. Das gilt auch für den Besuch bei den Groß­eltern.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stuft vor allem Paracetamol als gefährlich ein. Die leberschädigende Wirkung kann tödlich sein! Sie lann beim Überschreiten der Tageshöchstdosis von 50 mg pro kg Körpergewicht eintreten. Dies entspricht eineinhalb Tabletten à 500 mg für ein 15 kg schweres Kind! Die deutschen Giftinformationszentren weisen jedoch darauf hin, dass nach einer einmaligen Paracetamol-Überdosis unter 150 mg/kg ohne Therapie beim Gesunden keine Leberschädigung zu erwarten sei; bei Risikopatienten wie Früh- und Neugeborenen sowie Kleinkindern mit hohem Fieber und Appetitlosigkeit liege die toxische Dosis bei größer/gleich 100 mg/kg (Mitteilung des GGIZ Erfurt) . Die Symptome einer Vergiftung entwickeln sich schleichend mit unspezifischen Anzeichen wie Übelkeit oder Erbrechen. Auch Antiarrhythmika, Antidiabetika, Psychopharmaka, Opioide, H1-Antihistaminika oder größere Mengen Levothyroxin können bei Kindern zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen. Wichtig ist eine gut sortierte Hausapotheke für Kinder (Kasten).

Sind die Augen mit schädlichen ­Gasen oder Flüssigkeiten in Berührung gekommen, sind diese sofort mindestens zehn Minuten unter fließendem Wasser zu spülen. Dabei ist der Wasserfluss direkt auf das Auge zu richten, um vorhandene Reste so schnell wie möglich zu verdünnen und auszuspülen. Anschließend sofort zum Augenarzt oder in eine Klinik.

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