| Sven Siebenand |
| 10.07.2026 18:00 Uhr |
Dr. Roland Schwarzer / © Stiftung Universitätsmedizin/Mirko Raatz
Auch der beim hereditären Angioödem zugelassenen Wirkstoff Icatibant sei mechanistisch plausibel, weil eine Bradykinin-vermittelte Gefäßpermeabilität bei schwerer Hantavirus-Erkrankung eine Rolle spielen könnte. Es gebe positive Fallberichte mit dem Bradykinin-Antagonisten, unter anderem bei schwerer Puumala-Virus-Infektion, aber das sei kein belastbarer Wirksamkeitsnachweis. Die beiden Virologen ordnen Icatibant daher als interessanten, aber bislang nicht ausreichend validierten Ansatz ein (DOI: 10.3109/00365548.2012.755268).
Und was ist mit Corticoiden zur Entzündungshemmung? Mit Aussagen zu Corticoiden muss man den beiden Experten zufolge vorsichtig sein. Beim Andes-Virus-assoziierten Hantavirus-induzierten kardiopulmonalen Syndrom (Kasten) sei hoch dosiertes Methylprednisolon in einer randomisierten Studie geprüft worden (DOI: 10.1093/cid/cit394). »Es schien zwar nicht klar schädlich zu sein, zeigte aber auch keinen überzeugenden klinischen Nutzen. Daraus folgt nicht, dass Corticoide in jeder denkbaren Situation falsch sind, aber es spricht gegen eine einfache Aussage wie ›Entzündungshemmung mit Steroiden hilft bei Hantavirus-Erkrankung‹«, lautet die Einschätzung.
Hantaviren sind behüllte RNA-Viren aus der Familie der Hantaviridae, die überwiegend durch Nagetiere übertragen werden. Menschen infizieren sich meist über virushaltigen Staub, der Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere enthält. Je nach Virustyp können sie grippeähnliche Beschwerden, schwere Nierenerkrankungen oder lebensbedrohliche Lungenerkrankungen verursachen. In Deutschland ist vor allem das von der Rötelmaus übertragene Puumala-Virus verbreitet.
Das Andes-Virus, der Erreger bei den Fällen auf dem Kreuzfahrtschiff »Hondius«, stammt aus Südamerika. Hauptüberträger ist die Langschwanz-Zwergreisratte. Dieses Virus gilt als deutlich gefährlicher als die in Deutschland vorkommenden Hantaviren und kann insbesondere Lunge und Herz-Kreislauf-System schwer betreffen. Das vom Andes-Virus ausgelöste Hantavirus-induzierte kardiopulmonale Syndrom (HCPS/HPS) ist mit einer hohen Letalität verbunden, die häufig mit etwa 25 bis 40 Prozent angegeben wird.