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Grippeimpfstoffe

Die Lager der Apotheken sind gut gefüllt 

Über Wochen gab es zu wenig Grippeimpfstoffe auf dem Markt. Inzwischen sind die Lager der Apotheken wieder gut gefüllt – nur impfen lassen möchte sich jetzt kaum einer mehr.
Stephanie Schersch
12.01.2021  14:30 Uhr

Die Versorgung mit Grippeimpfstoffen ist seit Jahren ein heikles Thema in den Apotheken. So hohe Wellen wie in diesem Jahr hat es allerdings schon lange nicht mehr geschlagen. Bereits im September war der Andrang in den Praxen überraschend groß und der Impfstoff entsprechend knapp. Denn der kam wie in jedem Jahr in mehreren Tranchen auf den Markt – und damit zu schleppend für den Ansturm der Impfwilligen. Über Wochen mussten Ärzte verärgerte Patienten wieder nach Hause schicken, weil schlichtweg keine Vakzine verfügbar war.

Doch Mitte Dezember schließlich wendete sich das Blatt. Inzwischen sind die Lager in vielen Apotheken wieder gefüllt. So hat sich die Situation etwa in Nordrhein-Westfalen deutlich entspannt. »Die Apotheken sind gut bevorratet«, sagte Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) gegenüber der PZ. Die Nachfrage nach den Vakzinen ist derzeit allerdings gering. »Zuletzt haben die Ärzte viele Vorbestellungen wieder storniert.« Die Apotheken bleiben damit vorerst auf den Dosen sitzen. Dabei sollten die Ärzte unbedingt weiterimpfen, so Preis. »Die Durchimpfungsrate ist noch lange nicht erreicht.«

Apotheken drohen Verluste

In Nordrhein können sich Versicherte auch in rund 50 Apotheken in vier Modellregionen gegen die Grippe impfen lassen. Inzwischen haben die teilnehmenden Offizinen die Vakzine nach Aussage des Verbands bereits rund 400 Mal verabreicht. Auch wenn das Modellprojekt durch den vorübergehenden Mangel ausgebremst wurde, ist Preis zufrieden mit der ersten Bilanz. »Wir haben nun eine gute Basis für die nächste Impfsaison«, sagte er.

Auch in Bayern lobt man das Modellprojekt in der Oberpfalz. Allerdings bekämen die 57 teilnehmenden Apotheken auch dort die sinkende Nachfrage zu spüren, sagte ein Sprecher des Bayerischen Apothekerverbands. Dabei fehlt es auch im Süden der Republik nicht an Vakzinen gegen die Grippe. »Jeder Impfwunsch kann problemlos bedient werden«, so der Sprecher. Auch in Brandenburg, Hessen und Baden-Württemberg sind die Apotheken gut bevorratet. In Berlin verfügen viele Offizinen nach Aussage des dortigen Apothekervereins noch über kleinere Bestände Impfstoff. Viele Apotheken hatten in der Hochzeit der Lieferengpässe noch einmal kräftig nachbestellt, ohne auf verbindliche Absprachen mit den Arztpraxen setzen zu können. Ihnen droht nun ein finanzieller Verlust, wenn die Nachfrage nicht steigt und der Impfstoff damit zum Ladenhüter wird.

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