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Mehr als kalkuliert

PEI gibt 29 Millionen Dosen Grippeimpfstoff frei

Bundesweit fehlen derzeit Grippeimpfstoffe an einigen Stellen, schon bald allerdings soll kein Mangel mehr drohen. Knapp 27 Millionen Dosen sind bislang für Deutschland kalkuliert. Tatsächlich aber könnte deutlich mehr Vakzin in den Markt gelangen. So haben bereits 29 Millionen Dosen das Okay vom Paul-Ehrlich-Institut bekommen.
Stephanie Schersch
21.10.2021  09:00 Uhr

Deutlich angespannt waren Ärzte und Apotheker vor Kurzem in die neue Grippesaison gegangen. Vielen waren die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr noch allzu präsent, als Impfstoff zunächst knapp und der Ansturm auf die Praxen groß war. Bislang blieb es allerdings vergleichsweise ruhig in der Branche. Zwar fehlen Impfstoffe in einigen Fällen, darunter auch das Hochdosis-Vakzin Efluelda®, das Senioren ab 60 Jahre in diesem Jahr erstmals bekommen sollen. Doch schon in dieser Woche fließen zusätzliche Dosen in den Markt, die dann auch Nachbestellungen möglich machen sollen.

Nach offiziellen Angaben stehen für die aktuelle Grippesaison knapp 27 Millionen Dosen Impfstoff für Deutschland bereit. Das hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst vor Kurzem noch einmal betont. Damit wäre die Bundesrepublik ähnlich gut aufgestellt wie im vergangenen Jahr. Wie es aussieht werden allerdings deutlich mehr Vakzine in den Markt kommen. Das zumindest geht aus einer Aufstellung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor. Die Behörde muss alle Impfstoff-Chargen prüfen, bevor sie verabreicht werden können. Jede Woche gibt sie den Stand der Freigaben bekannt. Bis zum 17. Oktober haben demnach ganze 28,9 Millionen Dosen das offizielle Okay bekommen.

Hausärzte: »Künstliche Verknappung des Impfstoffs«

Warum knapp 2 Millionen Dosen mehr zur Verfügung stehen als ursprünglich kalkuliert, ist unklar. Möglicherweise hätten Hersteller doch mehr Impfstoffe in den deutschen Markt gegeben als zunächst geplant, erklärte eine PEI-Sprecherin auf Nachfrage der PZ. Ob Deutschland tatsächlich alle Impfdosen brauchen wird, bleibt indes abzuwarten. In der vergangenen Saison haben rund 22 Millionen Menschen eine Grippeimpfung bekommen, auch für diesen Herbst peilt die Bundesregierung eine ähnliche Größenordnung an. Bereits jetzt in die Nachfrage in einigen Regionen vergleichsweise groß. Auch das trägt zu temporären Impfstoff-Engpässen bei.

In der Ärzteschaft kursiert derweil noch eine ganze andere Theorie, wie es zu knappen Impfstoffkontingenten kommt. Bundesweit haben Apotheken und Krankenkassen in diesem Jahr zehn Modelprojekte organisiert, in deren Rahmen Offizinen gegen die Grippe impfen können. Seit Wochen laufen Mediziner dagegen Sturm, erst vor wenigen Tagen hat der Hausärzteverband Nordrhein (HÄVN) noch einmal nachgelegt. Demnach tragen die Apotheker auch die Schuld an vorübergehenden Impfstoff-Engpässen. Sie sorgten mit ihren Modellvorhaben »für eine künstliche Verknappung des Impfstoffs und behindern die Impfungen in Arztpraxen«, so HÄVN-Chef Oliver Funken.

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