Bei der Beratung von Migranten spielen oft auch kulturelle und religiöse Unterschiede eine Rolle. So möchte eine Frau muslimischen Glaubens möglicherweise nicht von einem Mann zu Brustschmerzen oder zur Verhütung beraten werden. Schamgrenzen sind zu erspüren und zu achten. Hier ist eine diskrete Gesprächsführung gefragt. Dazu kann auch der Beratungsraum genutzt werden, damit andere Kunden nicht mithören.
Strenggläubige Muslime essen im Ramadan nach Sonnenauf- und vor Sonnenuntergang nichts Festes oder Flüssiges. Eigentlich sind Kranke davon ausgenommen, weil das Fasten nicht im Sinn des Korans ist, wenn ein gesundheitlicher Schaden damit ausgelöst werden kann. Dennoch lassen sich die Betroffenen möglicherweise nur schwer in der Apotheke davon überzeugen. Das ist dann zu akzeptieren. Bei multimorbiden Menschen ist Aufklärungsarbeit gefordert, um die Polymedikation sicherzustellen. Wenn möglich, werden Einnahmezeitpunkte auf den frühen Morgen oder späten Abend gelegt.
In der Beratung sind auch kulturelle und religiöse Besonderheiten zu beachten. Mitunter möchten Frauen lieber von Frauen beraten werden. / © Shutterstock/BearFotos
Häufig lehnen Muslime die Einnahme von gelatinehaltigen Kapseln ab, da Gelatine aus Schweinen gewonnen wird. Dann sollten Apotheker gemeinsam mit dem Kunden eine alternative Darreichungsform auswählen.
Zudem ist es eine Aufgabe von PTA und Apothekern, behutsam auf therapiebegleitende Maßnahmen der Lebensführung hinzuweisen und beispielsweise Tipps zu Ernährung und Bewegung zu geben. Wichtig ist, dies immer mit einem Verständnis für die andere Kultur zu tun und nicht die westlichen Standards einfach überzustülpen. Hilfreich ist es, Fragen zu stellen, um den Patienten genauer kennenzulernen: »Welche Art von Bewegung stellen Sie sich vor? Wann essen Sie Ihre Hauptmahlzeiten? Was sind Ihre Bedenken?«
Schwangere sind eine besondere Kundengruppe in der Apotheke. Sie sind meist jung und nehmen in der Regel wenige Arzneimittel ein, brauchen die Apotheke also eher selten.
In der Schwangerschaft suchen sie oft aus Unsicherheit pharmazeutischen Rat, wenn sie leichte Beschwerden haben, die sie normalerweise in der Selbstmedikation behandeln würden. Wichtige Fragen sind: »In welcher Schwangerschaftswoche befinden Sie sich? Ist es das erste Kind?« Frauen in ihrer ersten Schwangerschaft benötigen viele Informationen und emotionale Begleitung. Frauen in der zweiten oder weiteren Schwangerschaft sind bereits erfahren, kennen die körperlichen Veränderungen und wissen, was zu beachten ist.
Ein Grundbedürfnis nach Sicherheit bei der medikamentösen Therapie haben alle Schwangeren gleichermaßen. Apotheker und PTA sollten daher im Beratungsthema sachkundig sein und vor allem Sicherheit und Kompetenz ausstrahlen, damit die Frauen der vorgeschlagenen Therapie vertrauen. Wenn ein Mitarbeiter unsicher und unentschlossen wirkt oder Fragen nicht zuverlässig und klar beantworten kann, überträgt sich diese Unsicherheit auf die Schwangere und gefährdet möglicherweise die Adhärenz.
Schwangere Frauen suchen vor allem Sicherheit, wenn sie Medikamente anwenden wollen oder müssen. / © Shutterstock/Davor Geber
Wird eine Frau in Schwangerschaft und Stillzeit pharmazeutisch gut versorgt und lernt eine kompetente und umfassende Beratung kennen, entscheidet sie sich häufig für diese Apotheke als zukünftige Stammapotheke für ihre Familie.
Schwer ist es, wenn eine Frau Komplikationen oder ein Trauma, zum Beispiel eine Fehlgeburt, erlebt hat und emotional sehr belastet ist. Hier den richtigen Ton zu finden, erfordert viel Empathie. Zurückhaltung und ein stilles Signal der Anteilnahme (»Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft.«) reichen aus und sagen mehr als tausend Worte.
Gleichermaßen kann es die Situation geben, dass eine Apothekenmitarbeiterin ungewollt kinderlos geblieben ist oder selbst ein Trauma erlitten hat und nur schwer Schwangere beraten kann, weil es sie persönlich so betrifft. Solche Themen sollten im Team bekannt sein, sodass es die Kollegin bei diesen Kundenkontakten entlasten kann.