| Alexander Müller |
| 18.06.2026 10:00 Uhr |
Hinzu kommen die Erträge aus dem Nacht- und Notdienstfonds. Mit dem ApoVWG wird der Zuschuss von derzeit 21 Cent pro Packung auf 41 Cent erhöht. Damit steigt die Pauschale pro geleistetem Notdienst, die sich aus der Menge abgegebener Packungen und der insgesamt geleisteten Dienste ergibt. Die Ökonomen beim Zukunftswerk gehen davon aus, dass eine durchschnittliche Apotheke mit etwa 10.000 Euro zusätzlich rechnen kann. Hier ist die Lage der Apotheke oder vielmehr die Anzahl der Dienste das entscheidende Kriterium.
Die Krankenkassen sparen dennoch zunächst an der Maßnahme, da die Notdienstpauschale bis auf Weiteres aus dem Topf für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) bezahlt werden soll. Diese sollen dagegen ab 2027 direkt mit den Krankenkassen abgerechnet werden.
Mit der im Reformpaket enthaltenen Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) und weiterer Verordnungen wird zudem die Skonto-Regelung freigegeben. Das Vorhaben dürfte noch im Juli den Bundesrat passieren.
Unter Experten umstritten ist, wie groß der Einfluss auf die Ergebnisse der Apotheken tatsächlich ausfallen wird. Zwar dürfen Großhändler und Hersteller im Direktgeschäft dann wieder Gesamtkonditionen jenseits von 3,15 Prozent gewähren, am Ende bleibt es aber eine Frage der individuellen Vereinbarung. Erwartet wird, dass nur sehr große Apotheken oder Verbünde hier ernsthaft nachverhandeln können.
Die Großhändler bereiten sich intern schon auf neue Ansprüche der Apotheken vor. Vereinzelt beobachtet das Zukunftswerk schon erhöhte Tourenkosten – wegen der Spritpreise. Auch sollen die höheren Skonti nur an strenge Bedingungen und deutlich vorgezogene Zahlungen gekoppelt werden.
Beim Direktbezug von Generika könnte nach Meyers Einschätzung wieder etwas mehr möglich sein, gegen vorzeitige Zahlung. Aber der Großteil der Apotheken bestellt nicht direkt. Und die höheren Zwangsrabatte könnten den Spielraum der Industrie ebenfalls verengen.