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Honorar, Abschlag, Skonto, Notdienst
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Das bringt die Reform wirtschaftlich

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) ist beschlossen, die Honorarerhöhung offiziell, zum Jahreswechsel droht den Apotheken mit dem GKV-Spargesetz eine neue Belastung. Wie wirkt sich das auf eine durchschnittliche Apotheke wirtschaftlich aus?
AutorAlexander Müller
Datum 18.06.2026  10:00 Uhr

Weil die verschiedenen Maßnahmen der Reformen zu unterschiedlichen Zeitpunkten greifen, muss die Ertragswirkung für jedes Halbjahr gesondert betrachtet werden. Wirtschaftsexperte Christian Meyer vom Beratungsunternehmen »Zukunftswerk« hat die Effekte auf eine Durchschnittsapotheke ausgerechnet.

Bei einem Umsatz von 4 Millionen Euro jährlich rechnet eine durchschnittliche Apotheke rund 40.000 Rx-Packungen mit den Krankenkassen ab, hinzu kommen 7500 Packungen im PKV-Bereich. Das entspricht einem Ertrag von 137.200 Euro (GKV) und 31.313 Euro (PKV).

Ausgangspunkt für Meyers Vergleich ist das erste Halbjahr 2026 mit dem aktuellen Fixum von 8,35 Euro und einem Kassenabschlag von 1,77 Euro. Letzterer ist in der Ertragsrechnung aber als Nettowert zu veranschlagen, also mit 1,49 Euro.

Fixum steigt in zwei Stufen

Mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt ist amtlich, dass das Fixum zum 1. Juli 2026 im ersten Schritt auf 9 Euro steigt. Dies entspricht einem Ertragszuwachs bei der Durchschnittsapotheke von 15.400 Euro in der zweiten Jahreshälfte, davon entfallen 13.000 Euro auf die GKV und 2400 auf die PKV.

Höherer Abschlag ab 2027

Die zweite Stufe der Honorarerhöhung greift zum Jahreswechsel. Ab dem 1. Januar 2027 liegt das Fixum dann auf dem schon im Koalitionsvertrag versprochenen Wert von 9,50 Euro. Gleichzeitig soll mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz aber auch der Zwangsrabatt der Apotheken um 30 Cent auf 2,07 Euro erhöht werden (netto: 1,74 Euro).

Da die Private Krankenversicherung nicht von dem höheren Kassenabschlag profitiert, ergibt sich im ersten Halbjahr 2027 für die Durchschnittsapotheke eine Ertragssteigerung von 18.000 Euro gegenüber dem Vorjahr für die GKV und 4300 Euro für die PKV.

Im zweiten Halbjahr 2027 fällt der Zuwachs geringer aus – aufgrund der Anhebung im Juli dieses Jahres. Im Vergleich zu diesem Jahr legt die Durchschnittsapotheke noch einmal um 6900 Euro zu, wovon 5000 Euro auf die GKV entfallen.

Notdienste werden besser vergütet

Hinzu kommen die Erträge aus dem Nacht- und Notdienstfonds. Mit dem ApoVWG wird der Zuschuss von derzeit 21 Cent pro Packung auf 41 Cent erhöht. Damit steigt die Pauschale pro geleistetem Notdienst, die sich aus der Menge abgegebener Packungen und der insgesamt geleisteten Dienste ergibt. Die Ökonomen beim Zukunftswerk gehen davon aus, dass eine durchschnittliche Apotheke mit etwa 10.000 Euro zusätzlich rechnen kann. Hier ist die Lage der Apotheke oder vielmehr die Anzahl der Dienste das entscheidende Kriterium.

Die Krankenkassen sparen dennoch zunächst an der Maßnahme, da die Notdienstpauschale bis auf Weiteres aus dem Topf für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) bezahlt werden soll. Diese sollen dagegen ab 2027 direkt mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

Skonto-Effekt unklar

Mit der im Reformpaket enthaltenen Verordnung zur Änderung der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) und weiterer Verordnungen wird zudem die Skonto-Regelung freigegeben. Das Vorhaben dürfte noch im Juli den Bundesrat passieren.

Unter Experten umstritten ist, wie groß der Einfluss auf die Ergebnisse der Apotheken tatsächlich ausfallen wird. Zwar dürfen Großhändler und Hersteller im Direktgeschäft dann wieder Gesamtkonditionen jenseits von 3,15 Prozent gewähren, am Ende bleibt es aber eine Frage der individuellen Vereinbarung. Erwartet wird, dass nur sehr große Apotheken oder Verbünde hier ernsthaft nachverhandeln können.

Chancen im Direktgeschäft

Die Großhändler bereiten sich intern schon auf neue Ansprüche der Apotheken vor. Vereinzelt beobachtet das Zukunftswerk schon erhöhte Tourenkosten – wegen der Spritpreise. Auch sollen die höheren Skonti nur an strenge Bedingungen und deutlich vorgezogene Zahlungen gekoppelt werden.

Beim Direktbezug von Generika könnte nach Meyers Einschätzung wieder etwas mehr möglich sein, gegen vorzeitige Zahlung. Aber der Großteil der Apotheken bestellt nicht direkt. Und die höheren Zwangsrabatte könnten den Spielraum der Industrie ebenfalls verengen.

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