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SARS-CoV-2

Coronavirus-Krise in Deutschland

Das neuartige Coronavirus versetzt Deutschland in den Krisenmodus. Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel werden knapp. Heute tagt der Krisenstab der Bundesregierung.
PZ/dpa
28.02.2020  11:26 Uhr

Nach bisherigen Erkenntnissen hält das Robert-Koch-Institut (RKI) den Erreger SARS-CoV-2 für tödlicher als die Grippe. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge hat er «pandemisches Potenzial» und könnte ohne die richtigen Maßnahmen «außer Kontrolle geraten». Trotz mehr als 20 neu registrierter Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus sieht das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) kein breites Krankheitsgeschehen in Deutschland. Insgesamt bleibe es bei der Einschätzung, dass das Risiko gering bis mäßig sei, sagte RKI-Vizedirektor Lars Schaade am Freitag. Die Gesamtzahl der SARS-CoV-2-Fälle in Deutschland seit Jahresbeginn stieg insgesamt auf mehr als 45.

Am späten Donnerstagabend wurden die ersten Fälle in Norddeutschland und in Hessen gemeldet. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen am Donnerstag 14 neue Fälle dazu, rund 1.000 Menschen sollen in Quarantäne sein. Außerdem wurden weitere Infektionen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern gemeldet. Zudem infizierte sich ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Das teilten die Klinik und die Behörde für Gesundheit mit. Alle Kinder und Eltern, die engen Kontakt mit dem Mitarbeiter hatten, gehen demnach nun 14 Tage in Quarantäne. Auch andere Mitarbeiter gehen in eine häusliche Isolation.

Daneben waren vor mehreren Wochen bereits 16 weitere SARS-CoV-2-Infektionen gemeldet worden – diese Menschen gelten inzwischen alle als virusfrei. Auch im am stärksten betroffenen europäischen Land Italien steigt die Zahl der Infizierten weiter. Mittlerweile seien 650 Menschen positiv getestet worden, sagte Zivilschutzchef Angelo Borrelli. Dutzende seien aber wieder genesen. Die Zahl der Toten liegt bei 17. In den Niederlanden wurde erstmals eine Infektion bestätigt. In Frankreich stieg die Zahl der Infizierten von 18 auf 38.

Die Behörden vieler Länder versuchen das Virus zum Teil mit drastischen Maßnahmen einzudämmen. Die Folgen, die ein Übergreifen von SARS-CoV-2 auf große Teile der Bevölkerung hätte, sind schwer abzuschätzen. Zudem gibt es anders als bei der Grippe weder einen Impfstoff noch zugelassene Medikamente. Desinfektionsmittel und Schutzmasken sind kaum noch zu bekommen. Bei deutschen Supermärkten führt das Virus mittlerweile zu einer verstärkten Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln und Hygieneprodukten, wie Aldi-Süd und Lidl auf dpa-Anfrage mitteilten.

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