| Melanie Höhn |
| 18.06.2026 16:00 Uhr |
Auch das Primärversorgungssystem war Teil von Münchs Ausführungen. Weil die Apothekerschaft durch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) neue Aufgaben bekommt und die ABDA ein eigenes Positionspapier vorgelegt hat, ist die Ärzteschaft verärgert.
»Mittlerweile ist das Gesundheitswesen an einem Punkt, wo es ohne Zusammenarbeit der Professionen bald nicht mehr gehen wird«, ist er überzeugt. Insgesamt gehe es bei der Primärversorgung um eine sinnvolle Aufgabenverteilung nach klaren Regeln, wie sie in anderen Ländern längst Realität sei. Ziel sei, durch eine sinnvolle Vernetzung und Zusammenarbeit das System zu entlasten und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen die Patientinnen und Patienten nach klaren Spielregeln und Kompetenzen so gut wie möglich zu versorgen. Medikationsmanagement gemeinsam mit den Ärzten wie bei ARMIN wäre ein Teil davon.
»Im Grunde sagt das Papier nichts anderes aus und in jedem Fall mussten wir uns ins Gespräch bringen, bevor das BMG eigene Ideen entwickelt«, so Münch. »Ich kann nur hoffen, dass sich die Aufregung etwas legt«, sagte er. »Ich denke, es ist dringend notwendig, mit den Ärzten ins Gespräch zu kommen, unter welchen Prämissen eine Zusammenarbeit möglich ist. Allein schon das Aus für ARMIN 2.0 wäre ein herber Verlust, vor allem für die Menschen im Land, die von der besseren Versorgung und Therapiebegleitung nachweislich profitieren würden.«
Beim Thema Primärversorgung gehe es nicht um Konkurrenz zur Ärzteschaft oder anderen Beteiligten im Gesundheitssystem, sondern um eine Zusammenarbeit. »Es geht um Dinge, die wir auch derzeit zum Teil schon tun. Zum Beispiel könnten wir stärker in der Ersteinschätzung tätig werden«, erklärte der Kammerpräsident. »Dazu sollen nach derzeitiger Planung KI-gestützte Tools etabliert werden. Warum nicht zumindest ergänzend über die Nutzung etablierter Strukturen – nämlich den Apotheken – nachdenken? Im Grunde machen wir das doch jetzt schon täglich bei der OTC-Abgabe, wenn wir entscheiden, ob eine Selbstmedikation möglich ist, oder Patienten in ärztliche Behandlung gehören. Es geht dabei nicht um eine Diagnosestellung, sondern um einen begründeten Verdacht, der abzuklären ist.«
Das Positionspapier sei nicht als Konfrontation zu verstehen, sondern als Einladung zum Dialog. Münch: »Wir haben eigentlich auch gar keine andere Wahl. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Wenn die Politik bestimmte Dinge umsetzen will, lässt sie sich von den Befindlichkeiten Einzelner nicht beeindrucken. Sie wird letztlich entscheiden. Ob eine rein politische Entscheidung dann für uns alle bessere ist, ist fraglich.«