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Weniger Krankenkassen
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CDU unterstützt umstrittenen Linnemann-Vorstoß

Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) möchte die Zahl der Krankenkassen reduzieren. Inzwischen findet die umstrittene Idee auch in seiner Partei Anklang. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Simone Borchardt (CDU), spricht sich für Fusionen aus – nicht nur, um die Verwaltungsausgaben einzudämmen.
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 04.09.2026  13:30 Uhr

Als Carsten Linnemann – damals noch CDU-Generalsekretär – im April 2026 forderte, die Zahl der Krankenkassen von 93 auf zehn bis 20 zu reduzieren, stieß sein Vorstoß auf wenig Resonanz. Die damalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte, es sei »nicht einfach«, zu beurteilen, ob Fusionen von Kassen wirklich zu Einsparungen führen würden. Doch die Finanzkommission Gesundheit, die die Grundlage für das GKV-Spargesetz erarbeitete, solle sich das Thema noch einmal ansehen.

Zuvor hatte die Expertenkommission eine Zusammenlegung der Kassen ausdrücklich nicht empfohlen. Das Gremium konnte keinen Spareffekt durch eine Reduzierung der Krankenkassen errechnen. Die Fusion von Krankenkassen tauchte daher nicht im von Warken umgesetzten GKV-Spargesetz auf.

Inzwischen ist Carsten Linnemann Gesundheitsminister und setzt sich auch in seinem neuen Amt für eine Reduzierung der Krankenkassen ein. Als ihn die »Bild« Ende August nach seinen Aussagen aus dem April fragte, sagte er: »Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück.«

Auch Borchardt will weniger Kassen

Der neue Gesundheitsminister bekommt Rückendeckung aus seiner Partei. So sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Simone Borchardt, am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin, dass Deutschland keine 93 Krankenkassen brauche. »Hier liegen Potenziale, die gehoben werden müssen«, so die Politikerin.

In einer späteren Diskussion erklärte Borchardt, dass es bei der Fusion von Krankenkassen nicht nur um Einsparungen gehe, sondern auch um Entbürokratisierung und die Vereinfachung von Prozessen. »Bei Vertragsverhandlungen, die wir mit 93 Kassen führen, werden wir oft verzögert, und Leistungserbringer erhalten ihre Gelder zu spät«, klagte die Christdemokratin.

Borchardt nutzte den Auftritt auch für grundsätzliche Kritik an den Krankenkassen: »Die Kassen haben sich aus der Fläche zurückgezogen und befinden sich nur noch in den Großstädten. Es ist schwierig für die Menschen, einen persönlichen Ansprechpartner zu erreichen. Gerade wenn die Menschen krank sind, wollen sie nicht mit einer App oder KI sprechen«, sagte die CDU-Politikerin. Auch die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat sich kürzlich positiv zu einem solchen Vorschlag geäußert.

Würden Fusionen wirklich beim Sparen helfen?

Doch die Idee bleibt umstritten. Noch in der ZDF-Sendung bekam Borchardt deutlichen Widerspruch von Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK-Dachverbandes: »Es wird oft behauptet, dass Effizienzreserven gehoben würden und dass mit weniger Kassen weniger Bürokratie stattfände. Doch es ist gerade umgekehrt. Das lebende Beispiel sehen wir in Österreich. Österreich hat die Krankenkassen reduziert und den Versicherten Wahlfreiheiten genommen. Die Verwaltungskosten sind drastisch gestiegen«, erklärte Klemm.

Die Krankenkassen lehnen Fusionen ab. Der GKV-Spitzenverband betont auf seiner Website die Bedeutung des Wettbewerbs und erklärt, dass eine Reduzierung der Krankenkassen nichts an der Zahl der Versicherten und deren Betreuungsaufwand ändern würde. »Von weit über tausend Krankenkassen in den 90er-Jahren sind heute nur noch 93 an der Versorgung beteiligt und stehen im Wettbewerb um gute Versorgung und guten Service. Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert und laufend optimiert werden können«, so Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes.

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