| Alexandra Amanatidou |
| 25.07.2026 11:55 Uhr |
Carsten Linnemann wird neuer Gesundheitsminister. Der CDU-Politiker ist allerdings in der Vergangenheit durch umstrittene Aussagen aufgefallen. / © Imago/dts Nachrichtenagentur
Der Rücktritt von Jens Spahn (CDU) als Fraktionsvorsitzender wegen der Leihmutter-Affäre führte zu Umstrukturierungen innerhalb der Regierung. Somit wird Thorsten Frei (CDU) Spahn als Fraktionsvorsitzenden ersetzen. Den Posten von Frei als Kanzleramtschef übernimmt Nina Warken (CDU). Ihre Stelle als Gesundheitsministerin tritt Carsten Linnemann an, der bislang Generalsekretär der CDU war.
Merz kündigte dies heute in einem Pressestatement an und bezeichnete den zukünftigen Minister als standfest und reformwillig. Er habe während der Koalitionsverhandlungen den Bereich Gesundheit mitverantwortet und wisse somit, wovon er spreche.
Der CDU-Politiker ist jedoch in der Vergangenheit mit umstrittenen Aussagen aufgefallen. So forderte er Anfang 2025 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk im Zuge des Anschlags von Magdeburg ein Register für psychisch kranke Menschen. »Es reicht nicht aus, Register anzulegen für Rechtsextremisten und Islamisten, sondern in Zukunft sollte das auch für psychisch Kranke gelten«, sagte der als »sozialpolitischer Hardliner« geltende Politiker damals. Eher für Satire-Stoff sorgte seine Aussage in der ARD-Talkshow von Caren Miosga, Rentnerinnen und Rentner würden zu wenig arbeiten.
Nichts Gutes laut der Opposition. »Carsten Linnemann ist bisher vor allem dadurch aufgefallen, nach unten zu treten. Gerade im vulnerablen Gesundheitsbereich bedeutet das für uns viele Abwehrkämpfe«, teilte der gesundheitspolitische Sprecher der Linken, Ates Gürpinar, auf Anfrage der PZ mit.
Die Grünen-Abgeordnete und Ärztin Paula Piechotta kritisiert hingegen im Gespräch mit dem Tagesspiegel, dass durch die Einarbeitung des Politikers wertvolle Zeit verloren gehen werde. »Mit Carsten Linnemann zieht der nächste fachfremde Minister ins Bundesgesundheitsministerium ein, der wie Warken einige Zeit brauchen wird, um sich in die komplizierte Materie einzuarbeiten.«
Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, wünscht sich vom neuen Gesundheitsminister, dass sich die Strukturreformen stärker am Bedarf der Patientinnen und Patienten ausrichten. In einer Pressemitteilung spricht er von einer anstehenden »Mammutaufgabe« für Linnemann.
Denn es stehen nicht nur die Strukturreform im Bereich der Primärversorgung, sondern auch die Pflegereform an. Zwar zielt diese auf die Stabilisierung der Pflegekassen ab, wird jedoch von Verbänden als Verschlechterung der Versorgung betrachtet. Geplant sind unter anderem eine Verringerung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, eine Erschwerung des Zugangs zu Pflegegraden und eine Reduzierung einiger Leistungen.