| Alexandra Amanatidou |
| 03.09.2026 15:00 Uhr |
Im Webinar: Generalsekretärin von Bündnis 90/Die Grünen Pegah Edalatian, Influencerin und Fachärztin für Allgemein- und Familienmedizin Judith Schaus und Grünen-Politikerin Ricarda Lang. / © Screenshot Webinar »Gesundheitssystem am Limit«
Wohin steuert die Gesundheitsversorgung und was bedeuten die aktuellen Reformen konkret für Patientinnen, Patienten, Familien und Beschäftigte im Gesundheitswesen? Dies war Thema eines Webinars der Grünen. In der Veranstaltung »Gesundheitssystem am Limit« erklärten die Grünen-Politikerinnen Ricarda Lang und Pegah Edalatian gestern Abend zusammen mit der Influencerin und Ärztin Judith Schaus, warum sie das kurz vor der Sommerpause vom Bundestag verabschiedete GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) ablehnen.
Doch auch die Auseinandersetzung zwischen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Kinderärztin Bea Merscher wurde von den Webinar-Teilnehmerinnen kritisiert. In der RTL-Sendung »Am Tisch mit Friedrich Merz« warf Merscher dem Kanzler vor, mit dem Gesundheits-Sparpaket seinen Amtseid zu brechen und menschenverachtend zu handeln. Merz hingegen bezeichnete die Ärzteschaft als »Nutznießer« des Gesundheitssystems.
Bis vor Kurzem seien Ärztinnen und Ärzte als systemrelevant eingestuft worden, »und jetzt plötzlich sollen sie Nutznießer des Systems sein«, sagte etwa Lang. Sie warf der Regierung »Misstrauen« und »verbale Schellen« gegenüber den Ärztinnen und Ärzten vor. »Wie soll ich ein Gesundheitssystem im positiven Sinne gestalten, wenn ich auf der einen Seite bei den Patienten nur Simulanten sehe, die alle krank machen, und auf der anderen Seite bei den Ärzten nur Nutznießer des Systems?«
Ärztin Schaus bestätigt, dass nach der RTL-Sendung »ziemlicher Unmut« bei ihren Kolleginnen und Kollegen entstanden ist. »Das hat aber auch erneut eine berechtigte Kritik an dieser Gesundheitsreform hochkochen lassen, und wirklich auch Ärger«, so Schaus. Dass die Ärztin vom Kanzler als »Nutznießerin« bezeichnet worden sei, sei »schon wirklich bitter«. Wie sich Merz aufgeführt habe, sei »unter aller Würde« gewesen. Außerdem habe er »zu wenig fachliche Ahnung von dem ganzen System« gezeigt.