| Lukas Brockfeld |
| 24.08.2026 15:00 Uhr |
Gesundheitsminister Carsten Linnemann möchte die Ausgaben der Krankenkassen reduzieren. / © Imago/Metodi Popow
Bevor er Gesundheitsminister wurde, positionierte sich Carsten Linnemann vergleichsweise selten zu gesundheitspolitischen Themen. Doch mit einer Aussage sorgte er im April 2026 für Aufsehen: In einem Interview forderte der damalige CDU-Generalsekretär, die Zahl der Krankenkassen von 93 auf zehn bis 20 zu senken. Linnemann brachte eine Mindestversichertenzahl ins Spiel. Krankenkassen sollten künftig mindestens eine Million Versicherte haben. Das würde effizienteren Wettbewerb, eine schlankere Verwaltung und weniger Kosten bedeuten.
Die Idee stieß bei der damaligen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf zurückhaltende Unterstützung. Es sei laut Warken »nicht einfach«, zu beurteilen, ob Fusionen von Kassen wirklich zielführend seien. Doch die Finanzkommission Gesundheit, die die Grundlage für das GKV-Spargesetz erarbeitete, solle sich das Thema noch einmal ansehen.
Am Sonntag veröffentlichte die »Bild« ein ausführliches Interview mit dem neuen Gesundheitsminister. In diesem wurde Linnemann auch nach seinem Krankenkassen-Vorstoß aus dem Frühjahr gefragt. »Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück«, sagte Linnemann und bekräftigte, dass er als Gesundheitsminister an einer Reduzierung der Krankenkassen arbeiten möchte.
Es ist allerdings umstritten, ob eine Zusammenlegung der Krankenkassen wirklich zu nennenswerten Einsparungen führen würde. Schon die Finanzkommission Gesundheit hat eine Zusammenlegung der Kassen ausdrücklich nicht empfohlen. Das Expertengremium konnte keinen Spareffekt durch eine Reduzierung der Krankenkassen errechnen. Auch in Österreich konnte eine Reduzierung der Kassen keine nennenswerten Einsparungen erzielen.
Die Krankenkassen lehnen eine Reduzierung ihrer Anzahl ebenfalls ab. Der GKV-Spitzenverband erklärt auf seiner Website, dass Fusionen nichts an der Zahl der Versicherten und deren Betreuungsaufwand ändern würden. »Von weit über tausend Krankenkassen in den 90er-Jahren sind heute nur noch 93 an der Versorgung beteiligt und stehen im Wettbewerb um gute Versorgung und guten Service. Stand heute sind die gesetzlichen Krankenkassen das gute Beispiel dafür, wie Versorgung und Verwaltung schlank organisiert und laufend optimiert werden können«, so Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Der Wettbewerb zwischen den Kassen sei wichtig und dürfe nicht durch eine zu starke Konzentration geschwächt werden.