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Grippeimpfstoff

Bund will 4,65 Millionen Extradosen  beschaffen

Der Bund will für die kommende Grippesaison 4,65 Millionen Dosen Impfstoff gegen die saisonale Grippe beschaffen, um ein gleichzeitiges Hochschnellen von Corona- und Influenza-Infektionen im Herbst und Winter zu verhindern.
dpa
PZ
29.04.2020
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Das hat heute Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung» angekündigt. «Gleichzeitig viele Grippe- und Corona-Kranke zu versorgen könnte unser Gesundheitssystem überfordern», sagte Spahn. «Mit Blick auf die nächste Grippesaison ermöglichen wir es den Ärzten, mehr Impfdosen zu bevorraten, und wir beschaffen erstmalig direkt als Bund zusätzlich 4,5 Millionen Impfdosen gegen Grippe.» Die Corona-Pandemie werde mit hoher Wahrscheinlichkeit im kommenden Winter noch nicht vorbei sein. «Also bereiten wir uns rechtzeitig darauf vor», sagte Spahn weiter.

Im vergangenen Jahr hatte das Paul-Ehrlich-Institut bis zum Beginn der Grippesaison 17 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff freigegeben. Normalerweise kümmern sich die Arztpraxen und Apotheken gemeinsam um die Beschaffung von Grippeimpfstoffen. Die Arztpraxen bestellen ihren voraussichtlichen Bedarf spätestens im Frühjahr bei den Apotheken. Diese beziehungsweise die jeweiligen Apothekerverbände beschaffen dann die benötigten Dosen über Großhändler und Hersteller, das genaue Prozedere variiert von Bundesland zu Bundesland. Die Ärzte sollen laut Gesetzänderung in diesem Jahr bis zu 30 Prozent mehr saisonalen Grippeimpfstoff vorab bestellen können, ohne Regresse wegen unwirtschaftlicher Verordnung fürchten zu müssen.

Mit Mitte April ist Jens Spahn spät dran mit seiner Bestellung. Laut Zeitungsbericht sollen die zusätzlichen Impfdosen zügig in den nächsten Tagen bestellt werden, denn die Hersteller planen derzeit ihre Kapazitäten und die Verteilung an die Länder oder haben schon mit der Produktion begonnen. Diese dauert je nach Herstellungsart bis zu sechs Monate.

Die »Neue Osnabrücker Zeitung« zitiert aus einem Beschluss des Corona-Kabinetts vom Montag, der heute vom Bundeskabinett genehmigt wurde. Demnach habe das BMG Angebote für 4,65 Millionen Impfstoffdosen bei drei Herstellern eingeholt. Vor allem Risikogruppen sollen sich impfen lassen, die durch Covid-19 und die Influenza gleichermaßen bedroht seien. Das BMG strebe eine deutlich umfassendere Durchimpfung der Bevölkerung gegen Grippe als in den Vorjahren an. Eine Impfpflicht sei nicht vorgesehen.

Die Impfquoten für die Influenza variieren von Jahr zu Jahr und von Bundesland zu Bundesland. Einem RKI-Bericht zufolge lagen sie in der Saison 2018/2019 bei der Standardimpfung für alle Bürger ab 60 Jahren zwischen 24 Prozent in Baden-Württemberg und 62,8 Prozent in Sachsen-Anhalt, für jüngere Patienten mit chronischen Erkrankungen jeweils einige Prozentpunkte darunter. Die Daten für die vergangene Saison liegen noch nicht vor. Laut Statista sind in Deutschland rund 17,5 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter. Würden sich tatsächlich alle impfen lassen, für die die Grippevakzine empfohlen wird, also auch jüngere Chroniker, Schwangere und Gesundheitspersonal, würde deutlich mehr Impfstoff als in der letzten Saison benötigt.

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